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Briefe

STROMDIEBSTAHL
aus DER SPIEGEL 12/1954

STROMDIEBSTAHL

(Nr. 8/1954, Deutschland)

Wenn Müller dem Schulze 10 Mark stiehlt, Schulze dies merkt, darauf von Müller 100 Mark mit dem Bemerken fordert, er werde Müller im Falle der Nichtzahlung wegen Diebstahls anzeigen, so wird Meier, wenn er von dem Sachverhalt erfährt, wahrscheinlich nicht den Müller wegen Diebstahls, sondern den Schulze wegen Nötigung oder Erpressung anzeigen. Wohl jedes Gericht wird Schulze härter bestrafen als den Müller.

Herr Renken von der Rechtsabteilung der Hamburger Electricitäts-Werke fordert von einem Stromabzapfer Bezahlung für 10 Stunden Brenndauer für 365 Tage für alle Brennstellen multipliziert mit dem Höchsttarif, also einen Betrag, den ein normaler Stromverbraucher wohl kaum je zu zahlen hat; außerdem kann Herr Renken unter Ausnutzung der Monopolstellung der Elt-Werke die Stromzufuhr sperren. Nach meiner Ansicht kann das Elt-Werk aber vom Stromdieb lediglich fordern, daß dieser die verbrauchten Kilowattstunden - aber auch nur diese - bezahlt. Es kann eine entsprechende Klage erheben. Um eine Bestrafung des Stromdiebes zu erreichen, hat der Staatsanwalt zu beweisen, daß die von ihm des Stromdiebstahls verdächtigte Person... Manipulationen am Zähler vorgenommen und unberechtigt Strom entnommen hat...

Düsseldorf

Hildegard Orthmann

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