Zur Ausgabe
Artikel 54 / 99
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Sturz in den Skagerrak

aus DER SPIEGEL 37/1989

Erschöpft schilderte Rettungsmann Kurt Rasmussen vom dänischen Seenotrettungsdienst die Szene auf den Wellen des Skagerraks: »Ein Rad trieb in der See, träge dümpelte die Bugspitze in den Wellen, und dann waren da die leblosen Körper der Opfer . . .«

Bis zum Anbruch der Nacht hatten am Freitag letzter Woche drei Dutzend Schiffe, zumeist Nato-Verbände, in der Nordsee nördlich der dänischen Kleinstadt Hirtshals 32 Insassen eines norwegischen Charterflugzeugs tot geborgen. »Mit hoher Wahrscheinlichkeit«, so die Rettungsmannschaften, seien auch die übrigen der insgesamt 55 Insassen einer Turbopropmaschine vom Typ Convair 440 ums Leben gekommen.

Die 36 Jahre alte Convair der norwegischen Charterfluggesellschaft Partnair war auf dem Flug von Oslo nach Hamburg, als die Lotsen des Flughafens von Kopenhagen um 16.30 Uhr den Kontakt zu dem Luftveteranen verloren: Ohne Notruf war die zweimotorige Maschine aus etwa 7000 Metern Höhe jäh von den Bildschirmen verschwunden und mitten in ein Nato-Manöver gestürzt.

Rätselhaft blieb bis Ende letzter Woche die Ursache des Absturzes, dem mutmaßlich 50 Angestellte der norwegischen Reederei Wilhelmsen-Line (nahezu die halbe Belegschaft) und fünf Besatzungsmitglieder zum Opfer fielen.

Mit »Schrecken«, so ein deutscher Luftunfall-Sachverständiger, habe er das Alter der Maschine vernommen: Vor 25 Jahren bereits wurde der Luftgreis Convair 440 aus den Flugparks von Luftfahrtgesellschaften wie der skandinavischen SAS ausgemustert.

Möglich erscheint Experten, daß die Druckkabine des geriatrischen Fliegers der jahrzehntelangen Blähbelastung müde war und in der Luft zerbarst, was den mutmaßlich abrupten Sturz der Maschine aus solcher Höhe erklären könnte.

Denkbar aber auch, daß die Besatzung, die zum Zeitpunkt des Unglücks in den Wolken kreuzte, einen von Piloten als »Vertigo« gefürchteten Orientierungsverlust erlitt. Bei Versagen des künstlichen Horizontes, der Flugzeugführern die Lage im Raum anzeigt, können Piloten das Gefühl für oben und unten verlieren.

Eine Notwasserung, etwa nach einem Ausfall beider Turbopropmotoren, scheidet nach Ansicht erfahrener Piloten aus. Das Not-Procedere - quer zu den Wellen anfliegen, die Nase hochhalten und langsam einschweben - gilt als rabiat, aber immerhin erfolgversprechend: »Die Maschine mag hart aufs Wasser aufschlagen«, so ein Airline-Pilot, »aber das hält ein gesunder Flieger aus.«

Zur Ausgabe
Artikel 54 / 99
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.