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Sudan nach dem Fall von Omar al-Baschir Wofür haben wir den Diktator gestürzt?

Sechs Freunde bereiteten den Sturz von Omar al-Baschir vor. Nun fürchten sie, dass ihr Protest zum Volksfest verkommt und das Militär in Sudan die Macht behält.
Von Katrin Kuntz und Daniel Etter
aus DER SPIEGEL 20/2019
Foto: Daniel Etter / DER SPIEGEL

Ma radschi ana laja matalib.

(Ich gehe nicht weg, ich habe Forderungen.)

Revolutionsslogan, Sudan 2019


Wenige Minuten bevor der Diktator Omar al-Baschir, der den Sudan 30 Jahre lang geknechtet und ausgepresst hatte, am 11. April 2019 Geschichte wurde, lag Mohammed Abbas auf seinem Bett in der Hauptstadt Khartum.

Er ruhte sich von den Straßenkämpfen der vergangenen Tage aus. Abbas ist 29 Jahre alt, der Diktator war schon im Amt, als er geboren wurde. Baschir war immer sein Präsident und sein Unterdrücker gewesen.

Abbas nahm sein Smartphone in die Hand, steckte sich Kopfhörer in die Ohren und hörte seinen Radiosender im Internet. Er erinnert sich, als er drei Wochen später von diesem Tag erzählt, dass ihm auf dem Bett liegend die Augen zufielen. Abbas wachte erst auf, als auf seinem Radiosender gegen Mittag eine Militärmusik einsetzte, der Soundtrack zu fast jedem Militärputsch. Als die Musik endete, hörte er die Stimme des damaligen Verteidigungsministers Ahmed Awad Ibn Auf. Er sagte, das Militär habe das Regime beseitigt und seinen Führer verhaftet.

Abbas konnte kaum glauben, dass sein Protest das Undenkbare wirklich möglich gemacht hatte. Er rannte hinüber ins Wohnzimmer, wo seine Eltern und Geschwister sich schon in den Armen lagen. "Er ist gefallen!", brüllte Abbas. "Er ist gefallen!", schrie seine Mutter. Sie sagt heute, sie habe so laut gejohlt, dass sie fast fürchtete, hysterisch geworden zu sein.

Video (1:51) »Sie lassen sich die Revolution nicht mehr nehmen« SPIEGEL-Redakteurin Katrin Kuntz über die friedlichen Proteste und die angespannte Situation in Sudans Hauptstadt Khartum.
Video (1:51) »Sie lassen sich die Revolution nicht mehr nehmen«
SPIEGEL-Redakteurin Katrin Kuntz über die friedlichen Proteste und die angespannte Situation in Sudans Hauptstadt Khartum.

Omar al-Baschir war gefallen.

Und die Mitglieder der Familie Abbas waren an diesem Tag nicht nur gewöhnliche Bürger des Sudan, die frei atmen wollten. Sie gehörten in diesem Moment auch zu den Siegern.

Denn ihr kleines Haus mit dem Wellblechdach, in dem es drei Zimmer mit vielen Holzbetten gibt, keinen Fernseher und kein Auto vor der Tür, ist seit Jahren eine Zelle des Widerstands. Hier im traditionellen Arbeiterbezirk Burri im Nordosten der Stadt haben Mohammed Abbas und fünf seiner langjährigen Freunde die Proteste in Khartum vorbereitet. Die Massendemos, die zum Sturz Baschirs führten, wurden befeuert von der Wut der Menschen über die katastrophale Wirtschaftslage. Sie verzweifeln darüber, dass Bankautomaten kein Geld hergeben, die Tankstellen häufig geschlossen sind und sich lange Schlangen vor den Bäckereien bilden, in denen Brot immer teurer wird.

Aber es hätte diese Proteste nicht gegeben ohne Menschen wie Abbas.

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