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Kambodscha Sühne für Massenmorde

aus DER SPIEGEL 32/1996

Der Völkermord in Kambodscha soll vor einem Tribunal verhandelt werden - bevor es zu spät ist und die Führer der Roten Khmer nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden können. Sühne verlangen immer energischer kambodschanische Politiker, Menschenrechtsorganisationen sowie internationale Historiker und Juristen. Vorbild sollen die öffentlichen Prozesse gegen die Verantwortlichen für Massaker in Ruanda oder im ehemaligen Jugoslawien sein. Die Regierung in Pnom Penh, so die Forderung, müsse deshalb endlich ein entsprechendes Gesetz verabschieden, an dem sie schon seit Monaten arbeite. Grund für die ständige Verzögerung: Die in der Regierungskoalition dominierende royalistische Funcinpec-Partei zögert, weil sie in den achtziger Jahren unter dem Prinzen Sihanouk im Widerstand gegen die vietnamesische Besatzung eng mit den Roten Khmer zusammengearbeitet hatte. Die mutmaßlichen Verantwortlichen für die Greuel leben zusammen mit dem mehrfach totgesagten Pol Pot unbehelligt in einem von Guerrillas kontrollierten Gebiet nahe der thailändischen Grenze.

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