Zur Ausgabe
Artikel 81 / 99
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

MODERNES LEBEN Sünden von A bis Z

aus DER SPIEGEL 37/1989

»Kann denn Sünde Sünde sein«, fragte sich der Frankfurter Philosoph Heipe Weiss und beschloß daraufhin, daß es hoch an der Zeit sei, »ethische Inventur« zu halten. Insgesamt 338 Verfehlungen, Laster und Kavaliersdelikte umfaßt jetzt die Moralbilanz, die Weiss für sein soeben erschienenes »Lexikon der Sünde« (Eichborn-Verlag; 28 Mark) fein säuberlich nach Schwere und Kategorie sortierte. Von »Aberglaube« bis »Zynismus« reicht der Sündenführer, der sich bewußt an die Poenitentiaria, mittelalterliche Bußkataloge, anlehnt. Mittels Definition, kommentierender Wertung und erläuternder Zitate werden die einzelnen Delikte darin anschaulich beschrieben. Sündenforscher Weiss berücksichtigte moderne Verfehlungen, etwa die »Computeritis«, ebenso wie Althergebrachtes: »Minnedieberei« ("wer durch Balzrituale Zuneigung ablistet") oder »Sukkubus« und »Inkubus« (Unzucht mit dem Teufel in verschiedener Stellung). Vor allem aber wollte der Philosoph die »komplexe Struktur des Sündenuniversums« darstellen: »Man muß sich die Welt der Sünden als Kugel vorstellen, mit entgegengesetzten Polen, Extremzonen und einer zeitlich variierenden Beurteilung.«

Zur Ausgabe
Artikel 81 / 99
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.