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Briefe

TAXIS OHNE CHAUFFEUR
aus DER SPIEGEL 42/1956

TAXIS OHNE CHAUFFEUR

Dem Verkehrsplaner Martin in Paris kann ich einen Vorschlag machen, der unter Umständen das Problem bedeutend vereinfacht. Wer öfter in einer Großstadt seinen Standort wechseln muß und keine Zeit hat, zur nächsten Metrostation oder Omnibushaltestelle zu gehen, um dort die planmäßige Abfahrt abzuwarten, der löst sich je nach Bedarf eine Wochen- oder Monatskarte für Taxibenutzung. Sämtliche Privatwagen werden aus der Stadt verbannt und dafür eine ausreichend große Anzahl Taxis mit Chauffeuren in Bewegung gesetzt. Der Karteninhaber kann jedes Taxi, das als unbesetzt gekennzeichnet ist, besteigen und sich an jedes beliebige Ziel in der Stadt, zuletzt auch zu der Großgarage oder dem Parkplatz am Rande der Stadt befördern lassen, wo er seinen eigenen Wagen abgestellt hat. Die Kombinatoriker des Stadtverkehrs sollten einmal ausrechnen, ob die Stadt nicht auf solche Art von Dauerparkern befreit werden kann. Mit dem System des Herrn Martin läßt sich allerlei Unfug anrichten. So werden sich zum Beispiel pfiffige Pariser die Münze besorgen, ein Taxi besteigen, drei oder vier eilige Passanten zum halben Fahrpreis mitnehmen und dabei noch einen ansehnlichen Gewinn machen, den sie nicht einmal zu versteuern brauchen. Auch wird es nicht lange dauern, bis die Münzen, die ja für die ganze Stadt einheitlich geformt sein müssen, von Fälschern nachgemacht sind.

Karlsruhe PROF. DR.-ING. RUDOLF KRAUS

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