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Indien Tee-Terroristen in Assam

aus DER SPIEGEL 8/1994

Die Besitzer der Teeplantagen, die sich an den Hängen des Brahmaputra-Tals im indischen Bundesstaat Assam erstrecken, fürchten um ihr Leben. Der Grund sind Anschläge von Ureinwohnern, die eine Loslösung Assams von Indien fordern und in den weitverzweigten Teeanlagen einen erbitterten Kleinkrieg führen. Stammeskämpfer der sogenannten Bodo und solche der separatistischen Befreiungsfront Assams entführen Manager der großen Teefirmen, um die Wirtschaft von Assam zu schwächen: Der Bundesstaat bestreitet die Hälfte der Tee-Ernte Indiens, das jährlich Tee im Wert von 200 Millionen Dollar ausführt. Die Entführungen lohnen sich: Das Unternehmen Macleod Russel etwa zahlte 400 000 Dollar, um einen entführten Manager freizukaufen; insgesamt sollen bisher mehr als 10 Millionen Dollar Lösegeld ausgehändigt worden sein. Panik herrscht in den Bungalows der Plantagenverwalter, nachdem letzte Woche ein Manager der Assam Frontier Tea Ltd. in Gauhati erschossen wurde. Die Firma gehört zum Imperium des indischen Tycoons Swaraj Paul, dessen Bruder 1990 auf einer Teefarm in Assam ermordet worden war. Die Plantagenbesitzer, zu denen auch Konzerne wie Unilever zählen, wollen nun eine Privatarmee aufbauen, um die Anlagen zu schützen.

[Grafiktext]

_130a Teeanbaugebiete im indischen Bundesstaat Assam

[GrafiktextEnde]

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