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Telegenes Damendoppel

aus DER SPIEGEL 29/1994

Suha Arafat, 31, und Lea Rabin, 66, vollbrachten vergangene Woche, was ihren Ehemännern bisher nicht gelang. Die Frau von Palästinenserführer Jassir Arafat und die Gattin von Israels Premier Jizchak Rabin übten den direkten Dialog zwischen Gaza und Jerusalem - wenn auch nur beim Frühstücksfernsehen des US-Senders ABC »Good morning, America«. Per TV-Konferenzschaltung parlierten die beiden Damen über Politisches und tauschten Komplimente aus. Lea Rabin mahnte staatsmännisch: »Wir haben genug Blut gesehen in Nahost«, während Suha Arafat - ganz O-Ton ihres Mannes - um Geld aus Übersee warb: »Helfen Sie dem Baby Palästina«, so Suha, »damit wir unseren Staat aufbauen können.« Kniffligen Fragen zur Unterdrückung der Frauen und zum religiösen Extremismus ging die strahlend blonde neue Landesmutter - abgebildet neben einem PLO-Banner - aus dem Weg. »Ich bin glücklich, daheim zu sein«, bekannte sie und freute sich, Lea Rabin kennenzulernen: »Sie ist eine tapfere Frau an der Seite eines wichtigen Mannes.« Tatsächlich könnte der TV-Premiere bald ein persönliches Treffen folgen. Lea Rabin versprach sich von der »guten Idee« gar einen »Brückenschlag zwischen zwei Gesellschaften, die versuchen wollen, künftig in Frieden zu leben«. Bei all den Artigkeiten, so die Tel Aviver Zeitung Maariv, blieb unklar, wer das telegene Damendoppel gewann. »Nur soviel ist sicher«, kommentierte das Boulevardblatt, »Suha Arafat ist hübscher als ihr Mann.«

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