Zur Ausgabe
Artikel 50 / 110
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

USA Terror mit Strahlen

aus DER SPIEGEL 18/2004

Immer mehr amerikanische Herzpatienten verfangen sich im Netz der Terrorabwehr. Häufig werden die Ahnungslosen bei Kontrollen ermittelt und später von Agenten des US-Heimatschutzes überrumpelt, die plötzlich vor der Haustür stehen, ihre Dienstausweise präsentieren und hochnotpeinliche Fragen zur Krankengeschichte stellen. Hintergrund: Die hochsensiblen Spürgeräte, mit denen amerikanische Terroristenjäger im ganzen Land nach Spuren »schmutziger«, also radioaktiv verseuchter Bomben fahnden, sprechen auch auf strahlende Isotope an, die pro Jahr rund 16 Millionen Mal bei medizinischen Behandlungen eingesetzt werden. Das kommt nicht nur bei Herzkranken oder Krebspatienten vor; entsprechendes Material wird auch zu Diagnosezwecken verwendet. Harmlose Patienten geraten inzwischen so regelmäßig ins Visier der Fahnder, dass die US-Atombehörde die Ärzteschaft aufgefordert hat, ihren Patienten detaillierte Informationen über die Verdacht erregende Behandlung mitzugeben. Geschäftsleute und andere Vielreisende sollten die Therapie-Infos unbedingt mit sich führen.

Rund 9500 der mobilen Strahlendetektoren zur Terrorabwehr, die - klein wie ein Handy - meist in der Tasche getragen werden, belästigen längst nicht mehr nur die Kranken. Auch benutzte Papiertaschentücher und sogar entsorgte Erwachsenen-Windeln etwa von Menschen, deren Schilddrüse radioaktiv behandelt wurde, haben bereits die empfindlichen Messgeräte aktiviert. Lieferwagen mit Pharmapräparaten oder kanadische Mülllaster an der Grenze lösten ebenfalls schon Alarm aus.

Zur Ausgabe
Artikel 50 / 110
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.