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Teufels Geständnis

aus DER SPIEGEL 33/1967

»Hiermit gebe ich zu, nicht nur, daß ich ein Element bin, ein radikales, das, wenn es sein muß, mit Pudding und Quark schmeißt, die Rentner um den Schlaf bringt und die Springerpresse zittern macht;

nicht nur, daß ich einer von denen bin, die durch ihren blinden Aktionismus den SDS fast vorzeitig um seine Förderungswürdigkeit gebracht hätten, sein reflektiertes Theorie-Praxis-Verhältnis durcheinanderbrachten und dadurch zu einer objektiven Gefahr für den historischen Prozeß wurden;

sondern auch, was noch schlimmer ist, daß ich am Abend des 2. Juni demonstrierend vor der Oper mich aufhielt, wozu gar kein Grund bestand, denn der Schah ist erstens ein sehr gebildeter M *, der fünf Sprachen, laut Quick, fließend spricht, was ihm der Däumling vom Sauerland erst mal nachmachen sollte, weshalb das ganze Gerede vom Analphabetismus in Persien gegenstandslos wird, weil nämlich die Bildung dort anders verteilt ist als bei uns;

und zweitens, was geht uns Persien an, sollen wir doch froh sein, daß wir hier leben, wo nur ein Student erschossen wird, wenn es in Persien tausend wären, weshalb ich es auch für verfrüht halte, in Berlin von Eskalation zu sprechen, solange Senat und Polizei noch ohne amerikanische Militärberater gegen die Studenten auskommen;

was das Schlimmste ist, daß ich nun, als ich schon mal da war, nicht mit Steinen warf, obwohl man von mir, der ich als Terrorist bekannt bin, solches hätte erwarten dürfen;

weshalb es nun, nachdem ich schon länger als vier Wochen inhaftiert bin, womit ich als Bartträger übrigens rechnen mußte, so außerordentlich schwierig wird, mir nachzuweisen, daß ich mit Steinen warf, wodurch wiederum die Stühle der erlauchten Herrschaften, des Bischofs Ah Barzel von Schöneberg und des Chefs seiner Prätorianergarde, Schmalgesang**, zu wackeln anfangen ...

Still schäm' ich mich in meiner Zelle;

Fritz Teufel, Ausgeburt der Hölle.«

* Punkte durch die Redaktion.

** Für Kurzsichtige: Bürgermeister Heinrich Albertz und Polizeipräsident Albert Duensing.

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