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Bahn Teure Trasse

aus DER SPIEGEL 21/1995

Die Deutsche Bahn AG hält einen Bericht des Bundesrechnungshofes zur ICE-Trasse München-Nürnberg, in dem ihr eine Multimillionen-Verschwendung vorgeworfen wird, seit zwei Monaten unter Verschluß. Nach dem Bericht haben die Bahnstrategen sich für eine Streckenführung entschieden, die den Steuerzahler um mindestens 700 Millionen Mark teurer kommt als der Ausbau einer Alternative.

Mit 31 Kilometern Tunnel und einer 80 Kilometer langen, vollkommen neuen ICE-Trasse ab Ingolstadt will die Bahn die Verbindung München-Nürnberg verbessern. Der Preis, laut Rechnungshof: 3,023 Milliarden Mark. Ein Ausbau der bestehenden Strecke über Augsburg wäre bedeutend billiger; er würde 2,303 Milliarden kosten.

Bereits vor einem Jahr hatten die Finanzkontrolleure Bahn und Verkehrsministerium vorgehalten, sich »bisher nicht für die wirtschaftlichste Trasse entschieden« zu haben. Gleichwohl hat der Rechnungshof das Zahlenwerk inzwischen retuschiert - zugunsten der Bahn. So haben die Rechnungsprüfer die bisherigen Preissteigerungen in Höhe von 490 Millionen Mark allein für die ICE-Neubaustrecke im Abschlußbericht vernachlässigt; 1994 waren die noch drin.

Auch einen zwingend geforderten, fast fünf Kilometer langen Tunnel durch den Köschinger Forst (Kosten: 200 Millionen Mark) stellen die Prüfer der Bahn plötzlich nicht mehr in Rechnung, weil, so Rechnungshof-Sprecher Heinz Pfost, der Tunnel gar nicht gebaut werde. Davon jedoch weiß das zuständige bayerische Umweltministerium nichts: »Wir halten an dem Tunnel fest.« Bahn-Manager gehen davon aus, daß das Projekt noch viel teurer wird als geplant: »Das Ding« koste »mindestens fünf Milliarden«.

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