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GROSSBRITANNIEN Theater der Tories

aus DER SPIEGEL 29/2001

Die von Tony Blair vernichtend geschlagenen Konservativen geben sich nun alle Mühe, die Briten in der ereignisarmen Sommerzeit mit einer skurrilen Kür ihres neuen Parteichefs zu unterhalten. Allein zwei Wahlgänge der Tory-Unterhausabgeordneten waren vorige Woche notwendig, um die Zahl der Aspiranten auf die Nachfolge des gescheiterten Oppositionschefs William Hague von fünf auf drei zu reduzieren. Das von taktischen Manövern, Intrigen und Verrat geprägte Kandidatentheater wird bis September dauern; dann dürfen schließlich die gut 300 000 Parteimitglieder in einer Urwahl zwischen zwei Kandidaten entscheiden. Favorit ist Ex-Verteidigungsminister Michael Portillo, 48. Der einst knallharte Thatcher-Gefolgsmann hat sich jetzt als weltoffener Liberaler selbst neu entdeckt. Zur Irritation vieler Tories regte er etwa eine Entkriminalisierung des Konsums von Cannabis an. Die Labour Party traut sich das nicht, obwohl junge Briten die größten Kiffer Europas sind. Portillos ärgster Rivale, der joviale Ex-Schatzkanzler Kenneth Clarke, 61, könnte Ingredienzien zum straflosen Joint beisteuern. Clarke ist Verwaltungsratsvize beim Tabakkonzern BAT.

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