SPON-Wahltrend SPD verliert den Anschluss an die Union

Es ist der schlechteste Wert seit Mitte Februar: Die SPD verliert im SPON-Wahltrend weiter an Zustimmung - und das kurz vor zwei wichtigen Landtagswahlen. Sehen Sie hier die Ergebnisse und stimmen Sie ab.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz
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SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

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Es sind die letzten beiden Stimmungstests vor der Bundestagswahl im September: An diesem Sonntag wählen die Bürger in Schleswig-Holstein einen neuen Landtag, eine Woche später ist Nordrhein-Westfalen an der Reihe.

In beiden Bundesländern zeigt sich dasselbe Bild: Nachdem die SPD zunächst in den Umfragen führte, konnte die CDU jeweils aufholen. Im Norden und in NRW zeichnen sich spannende Wahlgänge ab; insbesondere ist fraglich, ob die aktuellen Regierungskoalitionen an der Macht bleiben können.

Auf Unterstützung aus Berlin sollten die SPD-Landesverbände dabei lieber nicht hoffen. Nach rekordverdächtigen Umfragewerten zu Jahresbeginn - zeitweise lag die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz vor der Union - verlieren die Sozialdemokraten seit einigen Wochen wieder an Zustimmung.

Im aktuellen SPON-Wahltrend in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey erhält die SPD nochmals einen kräftigen Dämpfer. Sie kommt nur noch auf 28,5 Prozent der Stimmen - der schlechteste Wert seit Mitte Februar.

Im Superwahljahr 2017 befragen wir Sie regelmäßig zu Ihrer Parteipräferenz. Jeder Nutzer kann mitmachen, die Ergebnisse sind für ganz Deutschland repräsentativ. Am Ende dieses Artikels erfahren Sie mehr zur Methodik. Dort können Sie die Sonntagsfrage auch selbst beantworten.

1. SPD verliert, CDU und CSU gewinnen

Die Union kann im Vergleich zur vergangenen Woche leicht zulegen. Sie steht nun bei rund 36 Prozent. 7,1 Prozentpunkte trennen CDU und CSU damit von den Sozialdemokraten. Auffällig in dieser Woche ist, dass die SPD vor allem bei älteren Wählern an Zustimmung verliert. Lag sie in den vergangenen Wochen in der Altersklasse 65+ noch mit der Union gleichauf, haben die Sozialdemokraten nun einen deutlichen Abstand zu CDU/CSU.

2. AfD-Parteitag ändert Wählermeinung kaum

Nicht nur die Nominierung von Spitzenkandidaten, auch Parteitage können die Zustimmung zu einer Partei beeinflussen. Am vorletzten Wochenende hat die AfD in Köln ihr Programm und ihre Spitzenkandidaten bestimmt. Im SPON-Wahltrend schlägt sich das allerdings bisher nicht nieder - weder positiv noch negativ. Die AfD bleibt mit 8,9 Prozent auf dem Niveau der Vorwochen. Die Partei spricht weiterhin vor allem Wähler höheren Alters an. In der Altersklasse 50 bis 64 Jahre erreichten die Rechtspopulisten mit 12,1 Prozent ihren besten Wert.

3. Profitiert die FDP von Lindner?

Nach der AfD stellte sich am vergangenen Wochenende auch die FDP für die Bundestagswahl auf. Parteichef Christian Lindner wurde mit 91 Prozent als Parteichef wiedergewählt. Er setzt auch auf Themen, die enttäuschte Unionswähler ansprechen sollen.

Lindner und seine Partei stehen im SPON-Wahltrend seit Wochen bei rund sechs Prozent - kein gigantisches Ergebnis, aber die Partei wäre nach vier Jahren Pause wieder im Bundestag vertreten. Eine Civey-Umfrage zeigt: Die Partei kann durchaus mit ihrem Chef punkten. 51,8 Prozent der repräsentativ Befragten bewerten die Arbeit von Lindner als Vorsitzender der FDP als "sehr gut" oder "eher gut". Besonders hoch ist die Zustimmung unter jungen Wählern zwischen 18 und 29 Jahren und bei Wählern, die älter als 65 Jahre sind.

Im Vergleich zu anderen Politikern wie Kanzlerin Angela Merkel oder NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sind das gute Werte. Allerdings: Mehr als ein Fünftel der Befragten hat keine Meinung zur Arbeit von Lindner. Vielen scheint der junge Chef der Liberalen aus Nordrhein-Westfalen noch kein Begriff zu sein.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 25.4. bis 2.5.2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 7566 Befragte, der statistische Fehler lag beim Gesamtergebnis bei 2,5 Prozent. Bei der Befragung nach Altersgruppen und Geschlechtern und ihrer Parteipräferenz liegt die statistische Fehlertoleranz etwas höher. Sehr feine Unterschiede sind in diesen Ergebnissen also nicht aussagekräftig.

Im Wahljahr befragen SPIEGEL ONLINE und Civey regelmäßig Leserinnen und Leser zu aktuellen politischen Themen. Stimmen Sie hier ab - den aktuellen Stand sehen Sie sofort, wenn Sie teilgenommen haben.



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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.
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cornel 02.05.2017
1. Schulz verliert den Anschluß
zunächst hatte ich ihn als Vizekanzler gesehen, inzwischen ist er damit auch noch überbewertet. Es waren einfach zuviel hohle Sprüche. Der Populismus scheint nicht mehr überall zu ziehen. N L/F/GB
schwaebischehausfrau 02.05.2017
2. So schön wird's nie wieder...
Ist mit der SPD so ähnlich wie mit nem chronischen Bundesliga-Kellerkind, das nach dem 1. Spieltag mal Tabellenführer ist. Als Fan schneidet man sich diese Tabelle dann aus und bewahrt sie auf . Wohlwissend, dass es ab da nur noch abwärts gehen kann. Dumm, wenn man schon 6 Monate vor der Wahl sein "All-Time-High" hatte. Aber es war ja leider auch zu schön, um wahr zu sein: Eine Partei, die mit ihrem Programm irgendwo im letzten Jahrhundert steckengeblieben ist zwischen Bergmanns-Chor und Stahlarbeiter-Romantik und deren einzige Kontinuität seit über 10 Jahren der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit ist, tauscht ihren drögen Spitzenkandidaten durch einen genauso drögen und skandalbehafteten EU-Bürokraten aus und steigt auf wie Phoenix aus der Asche? Dass die Ernüchterung kommt, sobald die Euphorisierten realisieren, dass das dummerweise immer noch die gleiche SPD ist wie vorher, war leider absehbar. Die Ernüchterung wird noch größer werden, sobald die SPD ihr Wahlprogramm vorstellen wird und sobald die anderen Parteien den "Neuer Wein in alten Schläuchen"-Hoffnungsträger der Sozn mal so richtig unter Beschuss nehmen und entzaubern als Scheinblüte. Hoffentlich haben sich die SPD-Funktionäre die tollen Umfrage-Ergebnisse vom Februar alle ausgedruckt und ins Parteibuch geklebt - so schön wird's nie wieder :-)
furorteutonikus 02.05.2017
3. Nur falsche Themen
Tja Herr Schulz und Spd, die Wähler sind zwar blöd, aber nicht so blöd, dass sie das Geschwafel eines Europabesessenen, der noch mehr Flüchtlinge-, und noch mehr Schulden von den anderen EU-Ländern durch Deutschland übernehmen will, glauben. Leider haben Sie sich inhaltlich nur auf Verbesserungen von Hartz 4, sowie Steuerleichterungen beschränkt, aber sonst nur meta-pathetische Sprüche losgelassen. Das glaubt eh keiner mehr, da die SPD dazu lange genug Zeit hatte. Fragen Sie doch einfach mal in der Bevölkerung nach was die aktuell will. Leider sind das nicht Ihre Themen.
post.scriptum 02.05.2017
4. Es hat sich abgezeichnet
Dass Martin Schulz mit der SPD nicht die Ergebnisse wird halten können, die ihm und seiner Partei nach seiner Nominierung zum Spitzenkandidaten zuteil wurden, musste doch jedem klar sein. Nun zeigt sich wie ausgebufft die Kanzlerin ist, die mit ihrer Dauerpräsenz in den Medien mit den Mächtigen der Welt zu sehen ist. Schulz, der währenddessen Fischräuchereien in Schleswig-Holstein unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit aufsucht, gerät dabei fast in Vergessenheit. Wenn Merkel demnächst mediengerecht Gastgeberin beim G20-Treffen ist, wird Schulz womöglich ein neue Kita einweihen oder Vorschläge vor Gewerkschaftern unterbreiten, wie Familien weiter entlastet werden können (was nach den Wahlen ohnehin nicht mehr Thema sein wird). Nein, Schulz wird mit den Sozialdemokraten bei den BTW nicht nennenswert über 25, 26 Prozent kommen und sich über die Einladung Merkels freuen, ihr Juniorpartner werden zu dürfen.
gammoncrack 02.05.2017
5. Ich wage mal die Hypothese,
dass der massive Rückgang der Schulz-Euphorie einem gewissen Donald Trump AUCH zu verdanken ist. Die potentiellen Wähler haben erkannt, dass Politiker gerne versuchen, über nicht einhaltbare Wahlversprechen auf Stimmenfang zu gehen. Und genau dieses Weg war und ist Schulz bemüht zu gehen
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