Linkenchefin Posten angeboten Rechter Troll gibt sich als Ministerpräsident Kemmerich aus

Ein rechter YouTuber hat sich gegenüber Thüringens Linkenchefin Hennig-Wellsow als Thomas Kemmerich ausgegeben. Er rief sie nachts an und bot ihr den Posten des Innenministers an.
Susanne Hennig-Wellsow (Die Linke), Parteivorsitzende und Fraktionschefin in Thüringen

Susanne Hennig-Wellsow (Die Linke), Parteivorsitzende und Fraktionschefin in Thüringen

Foto: Martin Schutt/ dpa

Dass Thüringens Linkenchefin Susanne Hennig-Wellsow dem neu gewählten Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (FDP) aus Empörung über mögliche Wahlabsprachen einen Blumenstrauß vor die Füße warf, wurde parteiübergreifend als Anstandsgeste gelobt.

Am Samstag meldete sich die 42-Jährige aus ganz anderem Anlass bei Facebook zu Wort: Sie bezog Stellung zu einem sogenannten "Telefonstreich", den ihr ein YouTuber namens Klemens Kilic gespielt haben soll.

Demnach sei sie in der Nacht des 5. Februar, nach der Wahl Thomas Kemmerichs zu Ministerpräsidenten Thüringens, auf ihrem Handy angerufen worden. "Am Telefon war ein Mann, der sich als Thomas Kemmerich ausgab und es nach der Stimmlage auch durchaus hätte sein können", schreibt Hennig-Wellsow. Der Mann habe mit ihr über die Bildung einer Allparteienregierung sprechen wollen: "Konkret bot er mir das Innenministerium an", so die Linkenchefin weiter.

Der Anruf wurde publik, auch der SPIEGEL berichtete, Kemmerich habe die Linkenvorsitzende Hennig-Wellsow zu seiner Innenministerin machen wollen. Kemmerich selbst dementierte die Berichte später: "Es gab kein Angebot an Frau Hennig-Wellsow ein Ministeramt zu übernehmen", schrieb er auf Twitter.

In einem 5.07 Minuten langen Video auf YouTube  bekannte sich nun Klemens Kilic zu dem Fake-Anruf und erklärte, Hennig sei seinem Vorschlag gegenüber "sehr aufgeschlossen" gewesen. Kilic hat eine klare politische Agenda, er ist bekannt für seine Verbindungen zu Identitären und AfD. Schon Ende 2019 hatte er auf ähnliche Weise dem Ex-SPD-Vize Ralf Stegner einen "Streich" gespielt. Damals bot er Stegner im Namen des designierter SPD-Chefs Norbert Walter-Borjans den Posten des Finanzministers an.

"Wer das ohne mein Einverständnis mitgeschnittene Telefonat, das nun auf YouTube steht, anhört, wird bestätigen können, dass ich dieses ‚Angebot‘ weder angenommen habe, noch mit dem Anrufer darüber ‚verhandelt‘ habe", schreibt Hennig-Wellsow. "Ich habe es zur Kenntnis genommen und mitgeteilt, dass ich meine Parteigremien von dem Anruf informiere."

Kilic alias Kemmerich habe sie auch um die Telefonnummer von Bodo Ramelow gebeten, schreibt die Linkenchefin weiter. Die habe sie ihm aber nicht gegeben.

Als Motiv für seinen erneuten Anruf unter falschem Namen gab Kilic an, er habe demonstrieren wollen, dass die Linke eine Gesinnungspartei sei, "nur die SED unter anderem Namen".

Für Hennig-Wellsow ist Kilic nichts weiter als "ein rechter Troll, der schon Politiker aus anderen Parteien mit Telefonscherzen belästigt hat, um sich dann in der rechtsradikalen Social Media Blase von anderen rechten Trollen feiern zu lassen". Die Linkenfraktion in Thüringen zeigte sich solidarisch:

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Dass sie mit einem Journalisten über den Anruf gesprochen habe, ohne vorher Thomas Kemmerich zu fragen, bereut die Linkenpolitikerin. "Letzteres war nicht in Ordnung, dafür entschuldige ich mich. Ich habe in diesen absurden Zeiten nichts für unmöglich gehalten. Und nein, ich wäre nicht Innenministerin in einer Regierung Kemmerich (oder irgendeiner anderen) geworden."

Kemmerich hatte am Samstag seinen sofortigen Rücktritt als Ministerpräsident erklärt. Der Schritt folgte auf heftige bundesweite Kritik. Der Liberale war am Mittwoch von AfD, CDU sowie FDP und einer Stimme Vorsprung vor dem bisherigen Amtsinhaber Bodo Ramelow (Linke) zu Thüringens Regierungschef gewählt worden.

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