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Briefe

Tiefes Bedürfnis nach warmen Worten
aus DER SPIEGEL 16/2007

Tiefes Bedürfnis nach warmen Worten

Nr. 14/2007, Kirchen: Führt Papst Benedikt XVI. die Messe auf Latein wieder ein?

Im Jahr 1966 habe ich die Priesterweihe empfangen. Das Zweite Vatikanische Konzil hat mich geprägt. Die Rolle rückwärts wird immer wieder versucht werden, aber weder Bischof noch Papst können mir den Glauben nehmen. Das, was Sie als »erzkonservativ« darstellen, interpretiere ich als die Angst vor der Lebendigkeit des Evangeliums. Es fällt mir auf, wie viele Menschen in bestimmten Augenblicken, etwa bei Hochzeit oder Begräbnis, ein tiefes Bedürfnis nach Worten, Spiel, nach Offenheit und menschlicher

Wärme verspüren. Bei vielen besteht der Wunsch, dass um ein Kind, das ihnen geschenkt, oder einen geliebten Menschen, der ihnen entrissen wurde, sich etwas abspielen möge, das ihnen dabei helfen könnte, Tiefe und Geheimnis von Geburt und Tod zu ergründen. Hier muss die Liturgie nach einfachen, allen Beiwerks entkleideten Formen suchen und offen dafür sein.

LIMBURG (HESSEN) HUBERTUS JANSSEN

Die Forderung nach Wiederzulassung der »Alten Messe« ist kein Nischenthema erzkonservativer Kreise, wie der Artikel suggeriert. Nicht wenige jüngere Priester (zu denen ich mich zähle) fragen sich kopfschüttelnd, wie es möglich ist, dass in den Diözesen einerseits »Techno«-, »Schwulen«- und andere Randgruppen-Messen geduldet werden, während gleichzeitig Gläubige, die die Feier der »Alten Messe« wünschen, wie Aussätzige behandelt werden.

MÜHLTAL (HESSEN) HENDRICK JOLIE SPRECHERKREIS NETZWERK KATHOLISCHER PRIESTER

Joseph Ratzinger möchte wohl, dass katholische Gottesdienste wieder auf Latein abgehalten werden, im Sinne einer auf mehr Feierlichkeit ausgerichteten Show. Das Phänomen kennt man bereits von Popsongs, die in einer fremden Sprache gesungen gleich weniger banal klingen. Verwunderlich ist die Forderung schon deshalb, weil Latein die Sprache der Besatzungsmacht in Palästina war. Jesus sprach aber Aramäisch. Das wäre heute so, als wenn Kanzlerin Merkel Bundestagssitzungen auf Englisch oder Russisch abhalten lassen wollte, entsprechend den Besatzungsmächten im Nachkriegsdeutschland.

FÜRTH (BAYERN) FRANK ADLER

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