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STEUERBERATER Tips aus Nippes

aus DER SPIEGEL 52/1962

In sechs westdeutschen Zeitungen

machten dieser Tage der leitende Oberstaatsanwalt beim Landgericht Köln und der Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Finanzministerium mittels Anzeigen die Bestrafung von Franz Konz bekannt. Anschließend schickten sie ihm die Anzeigenrechnung.

Der heute 36jährige Schriftsteller und Selbstverleger Franz Konz aus Köln-Nippes hatte vor einigen Jahren seine Tätigkeit als Steuerinspektor beim Kölner Finanzamt nicht mehr hinreichend befriedigend gefunden. Er beschloß daher, den Abschied zu nehmen und seine im Staatsdienst erworbenen Fähigkeiten zu besserer Förderung des eigenen Wohlstands einzusetzen.

Zunächst ließ sich Konz beim Arbeitsamt in Köln als Arbeitsloser führen und verfaßte derweil ein Buch, in dem er »erfolgreiche Steuertips für gutverdienende Angestellte, Arbeiter und Beamte« bekanntgab.

Das Buch fand nur wenig Beachtung, »weil ich nur auf seriöse Weise dafür warb« (Konz). Erst als der Autor seine potentielle Käuferschaft in Postwurfsendungen fragte: »Soll man eine Bombe ins Finanzamt werfen?« und die Frage mit einem Hinweis auf seine Steuertips beantwortete, stellte sich der geschäftliche Erfolg ein.

Konz enttäuschte seine Leser nicht. Er gab ihnen detaillierte Tips für »Gehaltserhöhungen, ohne daß Steuer und Sozialversicherung einen Pfennig mehr bekommen«. Er schlug vor, sich statt eines höheren Gehalts ein Auto bezahlen zu lassen, wies auf Nebentätigkeiten hin, die nicht steuerpflichtig sind, und zeigte einen Weg, wie »ich dem Finanzamt gegenüber meine Ausgaben (erhöhe), ohne einen Pfennig mehr auszugeben«.

Auch auf die Frage »Wie treibe ich die Werbungskosten auf die Spitze?« wußte er eine Antwort. Er hielt den kernigen Rat bereit: »Schick' deine Frau wenigstens einmal im Jahr arbeiten« und verriet, wie man es fertigbringt, »für die Reise nach Lourdes Steuerermäßigung zu erlangen«, oder »wie man die Entfettungskur steuerlich geltend macht«.

Steuerhelfer Konz wurde seines Erfolges jedoch nicht froh: »Das Finanzamt wurde auf mich sauer. Mein Ton paßte ihnen nicht.«

Steuerhelfer Konz hatte nicht nur ungewöhnliche Steuertips propagiert, sondern überdies noch eine Idee, der er seit langem anhängt: den Pazifismus.

Schrieb Steuerhelfer Konz, seit 1949 Mitglied der Internationale der Kriegsdienstgegner: »Was nutzt dir alle ersparte Steuer, wenn dir über kurz oder lang - nur weil die Deutschen nicht die Finger vom Soldatenspielen lassen können - doch wieder alles zerdeppert wird.«

Oder: »Wann haust du denn mal mit der Faust auf den Tisch und schreist sie an: Macht was ihr wollt, aber verschont mich endlich mit dem dreimal verfluchten Barras und seiner ewigen Folge: dem Krieg und dem Massenmord.«

Bei dem Pazifisten Konz erschienen zunächst die Steuerfahnder, jedoch konnten sie im Steuergebaren ihres ehemaligen Kollegen nichts Strafbares entdecken. Der legte seine Erlebnisse mit den Fahndungsbeamten alsbald in einem zweiten Werk nieder, Titel: »Wie schütze ich mich gegen Steuerfahndung und Betriebsprüfung?«.

Oberregierungsrat Elmer von der Kölner Oberfinanzdirektion beschwert sich heute: »Unsere Beamten wurden schwer beleidigt. Konz behauptet, Steuerfahnder sind wie Eunuchen ohne Haß und ohne Liebe.« Die Gekränkten verklagten den Autor.

Inzwischen überprüfte die Kölner Staatsanwaltschaft ohnehin bereits Konzens Schriften auf strafbare Tatbestände. Der Autor wurde kurzerhand in Untersuchungshaft genommen und ein Jahr lang festgehalten.

Nachdem die Steuerfahnder bei einer zweiten Schürfaktion fündig geworden waren, enthielt der Katalog der Anklage schließlich

- Steuerhinterziehung,

- Aufforderung zur Steuerhinterziehung und

- Beleidigung von Finanzbeamten.

»Das Erschütterndste ... ist«, so entrüstete sich Staatsanwalt Dr. Düntzer, »daß der Angeklagte mit diesen Büchern einen Umsatz von 400 000 Mark erzielte, während wertvolle Literatur in den Läden verstaubt.«

Auch die Richter des Landgerichts Köln zeigten sich erschüttert, hatte Konz doch seine Werke, »deren Herstellung 93 Pfennig kostet, für zwölf Mark verkauft« (Düntzer). Sie verurteilten den Ratgeber zu Strafen von fünf und acht Monaten Gefängnis und zu Geldstrafen von 1000 und 3000 Mark.

Konz gab noch nicht auf. Er legte Revision beim Bundesgerichtshof ein und brachte seine Bücher leicht entschärft, aber im Tenor unverändert, erneut auf den Markt.

Indes, der Bundesgerichtshof bestätigte das Kölner Urteil. Staatsanwalt Dr. Düntzer ließ die Konz-Bücher erneut beschlagnahmen: »Es besteht die Gefahr, daß Konz schon wieder zu Straftaten auffordert.«

Steuer-Schriftsteller Konz

Nachlaß für die Entfettungskur

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