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Hausmitteilung Titel / AfD / Kolumbien / Foer

aus DER SPIEGEL 37/2019

Als London-Korrespondent Jörg Schindler am Mittwoch im britischen Parlament Margot James traf, erwartete er eine niedergeschlagene Frau. Gut zwölf Stunden zuvor war die Konservative von ihrem Parteichef Boris Johnson aus der Tory-Fraktion geschmissen worden. Aber das Gegenteil war der Fall: James, borisblondes Haar, versierte Rednerin, schien fast beschwingt von der Aussicht, es bei Neuwahlen mit Johnson aufnehmen zu können, dessen Wahl zum Premier sie für eine vorübergehende Verirrung ihrer Partei hält. Tories gegen Tories an der Urne – es ist nur eine von vielen neuen Volten im Brexit-Epos, dem größten politischen Drama in der jüngeren Geschichte Englands. »Bislang war es ein Scharmützel zwischen Politikern, unter Johnson ist es nun eine Schlacht, die an den Fundamenten der Demokratie rüttelt«, sagt Schindler. zum Artikel 

Erst vor wenigen Tagen hat AfD-Chef Alexander Gauland seine Partei noch als »bürgerlich« bezeichnet, doch das stimmt nicht. Der brandenburgische Spitzenkandidat Andreas Kalbitz kommt aus dem rechtsextremen Milieu, der völkische »Flügel« rund um den thüringischen Landeschef Björn Höcke gibt inzwischen den Ton an. Auf einer Wahlparty in Brandenburg zeigte sich Höcke ungewohnt locker, ohne Krawatte – und vor allem sehr zuversichtlich vor den Thüringer Wahlen im Oktober. Ein Team um SPIEGEL-Redakteurin Ann-Katrin Müller beschreibt, was die Radikalisierung und die Erfolge der AfD für die deutsche Politik bedeuten: »Die Partei ist weiter rechts denn je«, sagt Müller, »deshalb braucht es einen neuen, härteren Umgang mit ihr.« Einschätzungen wie diese missfallen der AfD. Als Müller auf der Party in Brandenburg auftauchte, wurde sie mit den Worten begrüßt: »Dass Sie sich hier hintrauen.« zum Artikel 

Vor gut drei Jahren interviewte SPIEGEL-Mitarbeiter Juan Moreno den Ex-Guerillakämpfer Danilo Alvizu, der zur Farc gehört, den marxistisch-leninistischen »Revolutionären Streitkräften Kolumbiens«. Die Terrorgruppe hatte damals gerade die Waffen abgegeben. Der längste Guerillakrieg der neueren Geschichte schien damit beendet. Fotograf Federico Ríos blieb mit Alvizu lose in Kontakt. Ende vergangener Woche gab die Gruppierung bekannt, den Krieg gegen den kolumbianischen Staat wieder aufzunehmen. Und Alvizu ist einer der führenden Köpfe. Moreno und Ríos durften als bisher einzige Journalisten ein Farc-Camp besuchen. »Wir konnten sehen, wie sie die Kokainproduktion koordinieren, Kindersoldaten trainieren. Das Ziel ist, den revolutionären Kampf in die Städte zu bringen. Der Traum eines befriedeten Kolumbiens ist definitiv vorbei«, sagt Moreno. zum Artikel 

Der US-Autor Jonathan Safran Foer und New-York-Korrespondent Philipp Oehmke würden sich beide als aufgeklärte, verantwortungsbewusste Männer bezeichnen. Beide sind Väter. Und doch gelingt es ihnen nicht, ihr Leben so zu führen, dass ihre Kinder in 50 Jahren auch noch gut auf diesem Planeten leben können. Beide wissen, was sie dafür tun müssten, schaffen es nur nicht. Und genau darüber haben sie sich ausgetauscht. Foer hat ein Buch über das »Ringen mit unserer Seele« geschrieben, wenn man sich angesichts des Klimawandels einschränken will. Am Ende sagte er zu Oehmke: »Wenn Sie nachher zum Mittag kein Fleisch essen, hat dieses Interview schon etwas gebracht.« Nach dem Termin bestellte Oehmke Salat. Ohne Hühnchen. zum Artikel 

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