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Hausmitteilung Titel / Michael Krüger / SPIEGEL GELD

aus DER SPIEGEL 20/2020
Zand in Wuhan

Zand in Wuhan

Am 20. Januar informierte China die Welt darüber, dass in Wuhan ein Virus ausgebrochen ist, das von Mensch zu Mensch übertragbar ist – mehr als drei Wochen nachdem die ersten Erkrankten in den Kliniken aufgetaucht waren. Es waren Wochen, in denen die Verbreitung des Coronavirus vielleicht noch aufzuhalten gewesen wäre, auf jeden Fall aber viele Menschenleben hätten gerettet werden können. Stattdessen wurden Ärzte zum Schweigen gebracht, versuchten lokale Bürokraten, die Seuche kleinzureden, wie der SPIEGEL in der Titelgeschichte rekonstruiert. Chinakorrespondent Bernhard Zand und seine Mitarbeiterin Wu Dandan recherchierten in Wuhan, Wissenschaftsredakteurin Veronika Hackenbroch befragte Ärzte und Experten in Deutschland und den USA. »Anfangs gab es überall erstaunlich einfach Zugang«, sagt Zand, »aber je weiter Wuhan zur Normalität zurückkehrte, desto mühsamer wurde es.« Zand gelang es, einen der ersten Covid-19-Patienten zu finden, den Fischhändler Chen Qingbo. Er erklärte sich spontan zu einem Interview bereit, doch kurz vor dem Gespräch warnte ihn sein Nachbarschaftskomitee vor einem Treffen mit den Reportern. Chen zögerte, entschloss sich dann aber, seine Geschichte zu erzählen. Die Regierung will inzwischen nicht mehr offiziell eingestehen, dass das Virus in China entstanden ist. Diese Intransparenz nährt die Verschwörungstheorien und befeuert den Streit zwischen China und den USA: Wer ist schuld an der Pandemie – und muss eventuell dafür zahlen? Dass das Virus aus einem chinesischen Labor stammt, wie der US-Präsident behauptet, hält Zand »für nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich«. Die Rekonstruktion beginnt hier. 

Der Dichter Michael Krüger ist 76 Jahre alt und an Leukämie erkrankt. Wegen seines stark geschwächten Immunsystems ist er in Corona-Zeiten ein Hochrisikopatient. Um jede Ansteckungsgefahr zu vermeiden, hat sich der ehemalige Verleger des Münchner Hanser Verlags in seinem Holzhaus am Starnberger See in totale Isolation begeben. SPIEGEL-Redakteur Lothar Gorris hat mehrere Male per Skype mit ihm gesprochen, insgesamt dreieinhalb Stunden lang. Krüger redete über seine Krankheit und seine Sorgen, über Strategien im Umgang mit der Einsamkeit, aber auch über seinen Alltag mit Kühen und Maikäfern. Als Gorris ihn vergangenen Mittwoch noch mal auf dem Handy anrief, erreichte er ihn im Klinikum Großhadern. Krüger hatte Fieber bekommen. »Nichts Schlimmes«, sagte er. Zum Artikel 

Ob Haushaltsbuch oder Gefühlshaushalt – die Coronakrise betrifft alle Aspekte des Lebens. Die Titelgeschichte der neuen Finanzbeilage SPIEGEL GELD, die Sie in dieser Ausgabe zum ersten Mal finden, widmet sich den wirtschaftlichen Folgen der Krise für Sparer und Anleger. Experten erklären, wo jetzt Chancen und Risiken liegen. Hilfestellung bei den psychischen und sozialen Folgen von Corona liefert die neue Ausgabe von SPIEGEL WISSEN »Stark durch die Krise«, die ab Dienstag im Handel ist. Wie kann man lernen, mit Angst, Verunsicherung und Trauer umzugehen? Wie wird sich unsere Gesellschaft verändern? Ebenfalls am Dienstag erscheint das neue Heft von Dein SPIEGEL, dem Nachrichten-Magazin für Kinder. Diesmal mit dem großen Quiz »In 80 Fragen um die Welt«.

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