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Hausmitteilung Titel / Corona / Friedrich

aus DER SPIEGEL 41/2020
Esch, Bidder, Nawalny

Esch, Bidder, Nawalny

Foto: Peter Rigaud / DER SPIEGEL

»Wie schön, dass Sie hier sind«, so lautet eine im Normalfall nichtssagende Floskel zur Begrüßung. Beim Treffen mit Alexej Nawalny hingegen meinten Moskau-Korrespondent Christian Esch und Redakteur Benjamin Bidder den Satz ernst. Der russische Oppositionspolitiker war erst wenige Tage zuvor aus der Berliner Charité entlassen worden; dass er das Giftattentat überleben würde, war keineswegs sicher. Vier Personenschützer des Landeskriminalamts begleiteten Nawalny am Mittwochmorgen ins Hauptstadtbüro des SPIEGEL. Dort berichtete Nawalny in seinem ersten Interview nach dem Anschlag, wie er die Vergiftung erlebte, wie er aus dem Koma erwachte – und warum er Russlands Präsidenten Wladimir Putin für das Mordkomplott verantwortlich macht. Das Nervengift Nowitschok hat Spuren hinterlassen: Um eine Wasserflasche zu halten, braucht Nawalny beide Hände. Dennoch ist er entschlossen, möglichst schnell nach Russland zurückzukehren. »Meine Hände zittern zwar, doch nicht aus Furcht«, sagt er. zum Artikel 

Redakteurin Charlotte Klein lernte die Diakonie Himmelsthür als Praktikantin kennen. Jetzt rief sie in einem Behindertenheim der Institution an, um sich nach den Folgen der Pandemie für die Bewohner zu erkundigen, und hörte die Geschichte von Astrid Diettelbach, die mit 46 Jahren an Covid-19 starb. Sie ist eine von 50 Personen, denen der SPIEGEL einen Nachruf widmet, um an die Schicksale hinter den Zahlen zu erinnern – 50 von einer Million Corona-Toten. Ein Spiegel-Team hat ihre Geschichten zusammengetragen. Unter anderem recherchierten Jens Glüsing in Lateinamerika, Praktikantin Katharina Fiedler in Osteuropa und Barbara Supp, die das Projekt betreute, in Deutschland. Unter den Toten sind Alte und Junge, Ehepaare und Priester, Sportler, Putzfrauen und Ärztinnen – allesamt Menschen, die mitten im Leben standen. Corona schärfe den Blick für das, was dieser Gesellschaft wichtig sei, bis in den Tod, sagt Supp, »wie bedeutend die Rituale sind, merkt man erst, wenn sie fehlen«. Dazu zog Wissenschaftsredakteur Marco Evers eine Bilanz der Pandemie, seine wichtigste Erkenntnis: Die zweite Million Tote könnte schon im Dezember erreicht sein. zum Artikel 

Als das Ehepaar Silke und Holger Friedrich vor einem Jahr den Berliner Verlag übernahm, lernte Alexander Osang zwei angriffslustige Ostdeutsche kennen, die sich wenig um Konventionen scherten. Für Osang, der ebenfalls aus Ost-Berlin stammt und bei der »Berliner Zeitung« gearbeitet hatte, waren die Friedrichs eine gute Nachricht. »30 Jahre lang habe ich Verleger erlebt, die mit der Zeitung herumspielten; den Friedrichs aber schien sie wirklich etwas zu bedeuteten«, sagt er. Dann kam heraus, dass Holger Friedrich mit der Stasi zusammengearbeitet hatte. Osang beschloss, den Neuverleger in seinem ersten Jahr zu begleiten. Dieser gewährte ihm Zugang zu seiner Stasiakte, seiner Villa, seiner Familie, seinen Weggefährten. Er redete über seine Vergangenheit, seinen Aufstieg zum Multimillionär und natürlich über die »Berliner Zeitung«. Das Porträt wurde auch ein Text darüber, weshalb es vielen Ostdeutschen 30 Jahre nach der Einheit immer noch schwerfällt, im vereinten Deutschland anzukommen. zum Artikel 

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