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Hausmitteilung Titel / Vatikanbank / Architektur

aus DER SPIEGEL 27/2012
Schulz in New York

Schulz in New York

Foto: JÜRGEN FRANK

Als vor fünf Jahren das iPhone auf den Markt kam, amüsierte sich Titelautor Thomas Tuma über Menschen, die er als »Apple-Fetischisten« empfand. Seither haben sich auch Tumas Gewohnheiten gewandelt, er gesteht, »ziemlich Smartphone-abhängig« geworden zu sein. Zu seiner Verteidigung bringt er vor, dass »kein zweites Produkt die Welt und auch das Alltagsleben so schnell so weitreichend verändert hat wie das iPhone«. Es schaffe große Freiheiten, seine Nutzer seien aber in Gefahr, sich »mit dem Wunsch nach permanenter Erreichbarkeit zu versklaven«. Wohin das führen kann, erfuhr Redakteur Thomas Schulz von der US-Soziologin Sherry Turkle: Smartphones könnten ihre Nutzer zu sogenannten Cyborgs werden lassen, halb Mensch und halb Maschine, meint die Wissenschaftlerin. Lassen sich solche Mutationen aufhalten, etwa durch Entspannung im Sommerurlaub? »Es könnte ganz einfach sein«, sagt SPIEGEL-Redakteurin Susanne Amann, »jedes Gerät hat einen Knopf zum Ausschalten« (zum Artikel ).

Kann es wahr sein, dass Papst Benedikt XVI. und seine Vorgänger auf dem Petersplatz über christliche Werte, über Bescheidenheit und den ethischen Umgang mit Geld predigten - und wenige Meter weiter, in der Vatikanbank, dunkle Geschäfte betrieben wurden, von denen korrupte Politiker und die Mafia profitierten? Die Redakteure Andreas Wassermann und Peter Wensierski gingen den Geschäften der Bank nach, für die sich auch italienische Staatsanwälte interessieren. Die Journalisten stießen bei ihren Recherchen auf ein Konto der Vatikanbank, von dem Millionen Euro über eine Bank in Mailand nach Frankfurt am Main flossen. »Italienische Ermittler haben den Verdacht, dass auf diese Weise Gelder aus dubiosen Quellen gewaschen wurden«, sagt Wensierski. Der deutsche Papst, so der SPIEGEL-Mann, wolle den Machenschaften ein Ende setzen; ob er Erfolg haben werde, sei offen (zum Artikel ).

Moderne Architektur ist ohne Computerprogramme kaum denkbar, Architekten entwerfen Bauten am Bildschirm und reichen animierte Darstellungen ihrer Projekte zu Wettbewerben ein. Dass Fiktion und Realität kaum noch unterscheidbar sind, machte sich der junge italienische Architekt Antonino Cardillo zunutze. Der SPIEGEL erfuhr, dass Cardillo Bilder von angeblich gebauten Gebäuden an Architekturzeitschriften versandt und den Anschein erweckt hatte, die Häuser seien tatsächlich gebaut worden. Doch diese existierten nur virtuell. Einige Fachmagazine fielen auf den Trick herein und druckten die Animationen. Redakteurin Susanne Beyer besuchte Cardillo in Rom und nahm die Beichte ab. »Ja«, das habe er getan, gestand der Architekt, er habe keine andere Möglichkeit gesehen, bekannt zu werden. Lug und Trug wurden zunächst belohnt: Die Zeitschrift »Wallpaper« setzte Cardillo vor drei Jahren auf ihre Liste der 30 wichtigsten jungen Architekten der Welt (zum Artikel ).

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