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Hausmitteilung Titel / Covid-19 / Hass auf Politiker

aus DER SPIEGEL 23/2020
Bredow, Hackenbroch, Drosten

Bredow, Hackenbroch, Drosten

Wohl selten war der Einfluss der Wissenschaft auf die Politik so groß wie jetzt während der Corona-Pandemie. Politiker brauchen für ihre Entscheidungen möglichst exakte Erkenntnisse. »Ob eine Studie richtige oder falsche Ergebnisse liefert, ist nicht mehr bloß eine akademische Frage, die Antwort kann Folgen für Millionen Menschen haben«, sagt Redakteur Dirk Kurbjuweit, der die Titelgeschichte zusammen mit Kollegen des Politik- und des Wissenschaftsressorts recherchiert hat. Einer, der diese Antworten liefert, ist der Virologe Christian Drosten. Die Medizinredakteurin Veronika Hackenbroch hatte bereits im April mit dem Charité-Forscher ein SPIEGEL-Gespräch vereinbart. Geplant war, Ende Mai einmal in Ruhe auf die turbulente Zeit der beginnenden Pandemie zurückzublicken. Es kam anders: Zwei Tage vor dem Gesprächstermin geriet Drosten ins Kreuzfeuer des Boulevards – die »Bild«-Zeitung schoss sich auf den Wissenschaftler ein, weil er angeblich eine »grob falsche« Studie verbreitet habe. Der Professor berichtete nun Hackenbroch sowie ihrer Kollegin Rafaela von Bredow, warum ihn die Attacken nicht aus der Ruhe brächten, Hassmails ihm allerdings doch zusetzten. »Ganz so dick, wie er es gern hätte, ist sein Fell noch nicht«, sagt Bredow. zum Artikel 

Etwa 8500 Menschen sind in Deutschland bislang im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben, aber noch immer glauben viele, dass die Krankheit spurlos an ihnen vorübergehen werde. SPIEGEL-Mitarbeiter Felix Hutt lebt in München, er sieht Jugendliche, die an der Isar ohne jede Vorsicht Partys feiern. Ein Bekannter erzählte Hutt vom Schicksal des Krankenpflegers Goran Simic aus Fürstenfeldbruck. Simic ist erst 33 Jahre alt, hat keine Vorerkrankungen und musste doch nach einer Sars-CoV-2-Infektion ins künstliche Koma versetzt werden. Hutt rekonstruierte seine Krankheitsgeschichte. Mit Oberarzt Georg Braun stand er auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Augsburg vor Simics Zimmer, durch das schmale Fenster sah er den Patienten, der um sein Leben kämpfte. Die Geschichte Goran Simics zeige, so Hutt, »dass auch junge Menschen von einer Covid-19-Erkrankung schwer betroffen sein können«. zum Artikel 

Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke in der Nacht zum 2. Juni 2019 war das erste tödliche Attentat von Rechtsradikalen auf einen Politiker in der Geschichte der Bundesrepublik. Ein Jahr danach hat Redakteur Gunther Latsch zusammen mit einem SPIEGEL-Team die Stimmung in den Städten und Gemeinden recherchiert. Bürgermeisterinnen und Bürgermeister berichten, wie stark der Rechtsextremismus inzwischen die Demokratie bedroht. Erst vergangene Woche erhielten Politiker wieder Drohungen, betroffen war auch Octavian Ursu, Oberbürgermeister im sächsischen Görlitz, den die Redakteurin Annette Bruhns befragt hat. Ein anonymer AfD-Anhänger schrieb auf der Facebook-Seite des gebürtigen Rumänen: »Wenn die AfD stärkste Kraft in diesem Land wird, bringe ich Sie und Ihre ganze Familie gerne zum Flughafen.« Das Netz, sagt Latsch, sei ein Multiplikator für Hass und Verschwörungstheorien: »Im Zeitalter der sozialen Medien nimmt das Volk Rache an denen, von denen es sich beherrscht statt vertreten fühlt.« zum Artikel 

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