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Hausmitteilung Titel / Erntehelfer / Hochstaplerin

aus DER SPIEGEL 23/2019
Rezo, Kühn

Rezo, Kühn

Foto: NICK HARWART / DER SPIEGEL

Eigentlich wollte sich der YouTuber Rezo, nach eigenen Angaben Ende zwanzig, eine Zeit lang von den Medien fernhalten, weil ihm der Hype um sein Anti-CDU-Video zu viel wurde. Für die SPIEGEL-Titelgeschichte machte er eine Ausnahme. Redakteur Alexander Kühn traf ihn am Mittwoch zu einem vierstündigen Gespräch in einem Aachener Hotelzimmer, da Rezo öffentliche Cafés derzeit meidet und seine Wohnung für Journalisten tabu ist. Auf dem Weg durch die Stadt hatte er sich mit Mütze und Kapuze getarnt. Am Tag darauf wurde er – zusammen mit einigen Protagonisten der Titelgeschichte – für das Cover fotografiert. Seine Haare, Farbton Lagunenblau, die im Stress der vergangenen Wochen etwas vernachlässigt wirkten, hatte er extra nachkoloriert. In dem Titelkomplex beschreiben zwölf SPIEGEL-Kolleginnen und -Kollegen eine neue Protestgeneration, die spätestens bei der jüngsten Europawahl ihr politisches Potenzial demonstriert hat. Die »19er«, wie Titelautor Lothar Gorris die Vertreter dieser Gruppe in Anlehnung an die »68er« nennt, haben den Klimaschutz zur Existenz- und Gerechtigkeitsfrage erklärt, und ihr Einfluss reicht, auch dank des Internets, weit über ihre Altersgruppe hinaus. Union und SPD wurden bei der Wahl massiv abgestraft, vor allem bei den Sozialdemokraten wankt nun die Parteichefin. zum Artikel 

Wie leben eigentlich unsere Bauern? Also die, die uns auch im Januar mit Erdbeeren und Tomaten versorgen? SPIEGEL-Redakteur Nils Klawitter reiste ins spanische Almería, um dieser Frage nachzugehen. Im Plastikmeer der Gewächshäuser traf er erschöpfte Arbeiter und Tagelöhner. Menschen wie die Marokkanerin Charifa Essamraoui, die in schiefer Haltung und mit ruiniertem Rücken Salat schneidet, der auch in deutschen Läden im Regal liegt. Oder den Rumänen Iulian Vaduva, der die vergangenen zwei Jahre lang mit einem kleinen Trecker Pestizide unter den Plastikplanen ausbrachte und dem nun chronisch schlecht ist. Für viele dieser Erntehelfer, so Klawitter, stehe Almería für die Hoffnung auf ein normales Leben in Europa. »Aber es ist auch der Ort, wo dieser Traum zerplatzt.« zum Artikel 

Es gebe da eine erfolgreiche Bloggerin, die sich eine fiktive jüdische Identität be- sorgt habe – mit dieser Information begann Redakteur Martin Doerry seine Recherchen über die in Dublin lebende deutsche Historikerin Marie Sophie Hingst. Der Fall scheint paradox in einer Zeit, in der der Antisemitismus überall in Europa wieder deutlich zutage tritt. Doch Hingst verschafft sich mit dieser Legende Aufmerksamkeit, die wichtigste Währung im Netz. Bei einem Treffen in Dublin in der vergangenen Woche stellte Doerry die junge Frau erstmals zur Rede. Zunächst bestritt sie entschieden, dass sie Fälschungen verbreitet hätte, später behauptete sie, ihr Blog sei nur Literatur, weit entfernt von jeder Realität. »Marie Sophie Hingst hat sich in eine Parallelwelt hineinfantasiert«, sagte Doerry nach dem Gespräch, »zuweilen glaubt sie wohl sogar das, was sie sich ausgedacht hat.« zum Artikel

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