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Hausmitteilung Titel / Kunstraub / Igor Levit

aus DER SPIEGEL 36/2020
Esch, Nawalny 2017

Esch, Nawalny 2017

Foto: DENIS SINYAKOV / DER SPIEGEL

Der Fall des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny erschüttert die Welt. Er wurde wohl Opfer eines Giftanschlags, und die Titelgeschichte analysiert, wer den verübt haben könnte – und was das Motiv gewesen sein dürfte. Alexander Chernyshev, Mitarbeiter des Moskauer SPIEGEL-Büros, war im sibirischen Tomsk unterwegs, um Nawalnys letzte Stunden vor seinem Zusammenbruch zu rekonstruieren. Russlandkorrespondent Christian Esch recherchierte von Minsk aus, wo er die Proteste gegen den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko beobachtete. Welcher Zusammenhang zwischen Belarus und der wahrscheinlichen Vergiftung besteht, ist eine der zentralen Fragen bei der Aufklärung. Korrespondentin Christina Hebel redete mit dem Aktivisten Pjotr Wersilow, der vor knapp zwei Jahren Opfer eines Giftanschlags wurde. Er half mit zu organisieren, dass sein Freund Nawalny nach Berlin ausgeflogen wurde. Dort sprach Redakteur Marcel Rosenbach mit Nawalnys Stabschef Leonid Wolkow. Beim ersten Treffen war Wolkow gerade mit dem Auto aus Litauen eingetroffen – und seit 32 Stunden auf den Beinen. Die Bedeutung des Falls auch für die Bundesrepublik analysiert Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, im SPIEGEL-Gespräch: Durch die Affäre habe das deutsch-russische Verhältnis einen neuen Tiefpunkt erreicht. zum Artikel 

Anfang Dezember meldete der SPIEGEL (50/2019) eine Sensation: Nach vier Jahrzehnten waren Werke aus dem größten Kunstraub der DDR-Geschichte wiederaufgetaucht. Unbekannte hatten die wertvollen Gemälde alter Meister wie Frans Hals in der Nacht auf den 14. Dezember 1979 aus Schloss Friedenstein in Gotha gestohlen. SPIEGEL-Autor Konstantin von Hammerstein hat die monatelangen Geheimverhandlungen mitverfolgt, die am Ende zur Rückgabe der Bilder führten. Seitdem ließen ihn zwei Fragen nicht los: Wo waren die Werke in den vergangenen 40 Jahren – und wer hatte sie geklaut? Hammerstein traf sich mit einem DDR-Kriminalisten, der damals auf den Fall angesetzt war, sprach mit den Kunstfahndern des Berliner Landeskriminalamts und arbeitete sich durch etwa 3000 Seiten Stasi- und Polizeiakten, die größtenteils für die Öffentlichkeit gesperrt sind. Er entdeckte, dass DDR-Ermittler dem Täter schon 1981 auf der Spur waren, aber die entscheidenden Hinweise ignorierten. »So aufgeblasen und angsteinflößend der DDR-Polizeistaat auch war«, sagt Hammerstein, »so unfähig war er manchmal, eins und eins zusammenzuzählen.« zum Artikel 

Der Pianist Igor Levit wäre im Frühjahr in London aufgetreten, in New York, in Rom. Stattdessen war er, wie die meisten Deutschen, durch Corona plötzlich auf sich selbst zurückgeworfen und verbrachte seine Zeit im Wesentlichen zu Hause. Aber Levit begann im März von seiner Wohnung in Berlin-Mitte aus, fast jeden Abend ein Konzert live zu streamen. Zehntausende Menschen schauten online zu. SPIEGEL-Mitarbeiterin Carolin Pirich und Redakteurin Britta Stuff haben den Künstler durch diese Zeit begleitet, ihn bei manchen Hauskonzerten besucht, mit dem nötigen Abstand. Sie stellten fest: Levit hatte großen Erfolg, war aber unglücklich. Er vermisste sein Publikum. Manchmal sagte er, er wolle nun direkt nach dem Konzert seine Ruhe. Wie ihm geht es in dieser Zeit vielen Musikern, die ihren Beruf nicht ausüben können und kaum Perspektiven haben. »Auch nach Corona wird die Welt der Künstler erst mal nicht werden wie früher«, sagt Pirich. »Levit kehrt zurück in eine veränderte Klassikwelt.« zum Artikel 

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