Zur Ausgabe
Artikel 3 / 87
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Hausmitteilung Titel / Chodorkowski / Informanten

aus DER SPIEGEL 43/2013
Tönnies, Amann

Tönnies, Amann

Foto: HENNER ROSENKRANZ / DER SPIEGEL

SPIEGEL-Redakteurin Susanne Amann stand in der Firmenzentrale, sie blickte auf einen Fußballplatz, wo zwei Mädchenteams aus Rheda-Wiedenbrück spielten. Neben Amann stand Clemens Tönnies und kommentierte das Spiel - Tönnies, Besitzer der firmeneigenen Sportanlage, vor allem Chef des größten Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetriebs in Deutschland. Alle drei Sekunden wird hier ein Schwein geschlachtet, noch nie war die Verarbeitung eines Tieres, mit 99 Prozent seines Gewichts, so umfassend - worauf er übrigens stolz sei, so erklärte es Tönnies Amann. Dann führte der bekennende Fußballfan Amann durch seinen Betrieb, zeigte ihr Zerlegemaschine und Kühlhallen - in so sportlichem Tempo, dass der Fotograf wie auch Tönnies' PR-Mann immer wieder zurückblieben. Tags darauf erhielt Amann, die zusammen mit den Kollegen Michael Fröhlingsdorf und Udo Ludwig die Titelgeschichte dieser Woche geschrieben hat, einen Anruf aus der Firmenzentrale: ob sie Muskelkater davongetragen habe? Amann: Anstrengend sei es gewesen, aber weniger in körperlicher Hinsicht (zum Artikel ).

Am Abend des 12. Juni 2011 setzte sich der Moskauer SPIEGEL-Korrespondent Matthias Schepp in ein Café unweit des Kreml, er bestellte ein Bier und schrieb einen Brief. Der Adressat dieses Briefes befand sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg in ein Straflager in Karelien, im Norden Russlands - Michail Chodorkowski, der Ölmagnat, verurteilt wegen Diebstahls und Steuerhinterziehung. Chodorkowskis Fehler und Verhängnis: Er hatte sich mit Wladimir Putin angelegt. Zwischen den zwei Männern war ein Kampf um politische Macht und Pfründen entbrannt. Chodorkowski antwortete auf Schepps Schreiben, zwischen dem Inhaftierten und dem Journalisten gingen von nun an etliche Briefe hin und her. Sie legen Zeugnis ab von der Unbeugsamkeit Chodorkowskis, von den Kämpfen hinter den Kulissen und Wladimir Putins Russland. »Solange Putin regiert, wird er Chodorkowski nicht freigeben«, sagt Schepp (zum Artikel ).

Informanten genießen in der SPIEGEL-Redaktion den allerhöchsten Schutz - denn ohne deren Wissen, ohne deren Bereitschaft, ihr Wissen dem SPIEGEL anzuvertrauen, wären viele Artikel nicht möglich, wären Skandale unentdeckt geblieben. Doch wie soll man den SPIEGEL künftig kontaktieren? Die Enthüllungen über die Datensammelwut des US-Geheimdienstes NSA haben gezeigt, wie unsicher das Netz ist. Der SPIEGEL setzt daher, anders als andere Medien, weiter auf den klassischen Kommunikationsweg - per Post, gleichwohl chiffriert. Unter dem Link www.spiegel.de/briefkasten ist nachzulesen, wie man Dokumente verschlüsselt, wie man diese Dokumente dem SPIEGEL zukommen lässt und wie man sich dabei schützt.

Verwandte Artikel
Zur Ausgabe
Artikel 3 / 87
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.