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Hausmitteilung Titel / Forensik / Kühnert

aus DER SPIEGEL 29/2020
Söder, Clauß bei Empfang in München

Söder, Clauß bei Empfang in München

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, Vorsitzender der CSU, möglicherweise bald auch Kanzlerkandidat der Union, ist bekannt als ein Politiker, den die Lust an der Macht antreibt. Er ist auch bekannt als jemand, der seine Gesprächspartner gern auf die Probe stellt. Zu seinen Prüfungen gehört es, vor Journalisten mit Kaffeebechern zu erscheinen, auf denen Superhelden zu sehen sind. Der unglaubliche Hulk etwa oder Spider-Man. »Diese Kaffeebecher benutzt Söder nicht zufällig«, sagt Anna Clauß, SPIEGEL-Redakteurin in München, die Söders politische Karriere seit Langem begleitet, »es ist ein Stöckchen, das er uns Journalisten hinhält, um zu sehen, ob wir drüberspringen, ob wir die Tassen in unseren Artikeln erwähnen.« Söder möchte sein Image, so gut es geht, selbst bestimmen, deshalb erwähnt er auch nicht, dass sich in den Kaffeebechern oft gar kein Kaffee befindet, sondern Cola, die Söder häufig und gern trinkt. Clauß: »Als bayerischer Landesvater mit einem Softdrink, made in America, fotografiert zu werden, das ist etwas, was Söder vermeiden möchte.« Die Titelgeschichte über Söder, den Kraftprotz der deutschen Politik, beginnt hier .

Wann darf, wann muss ein psychisch kranker Straftäter eingesperrt, wann darf, wann muss er wieder entlassen werden aus der geschlossenen Psychiatrie? Bruno Schrep, langjähriger SPIEGEL-Reporter, hat im Bezirksklinikum Ansbach Antworten auf diese Fragen gesucht. Er hat mehrere Tage in der geschlossenen Abteilung verbracht, mit Ärzten, Pflegern und Insassen gesprochen. Er traf Menschen, die seit Jahrzehnten eingesperrt sind, die keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie, zu Freunden haben. Manche hatten sich mit der Ausweglosigkeit ihrer Situation arrangiert, andere kämpften verzweifelt vor Gericht um ihre Freiheit. Vor den Gesprächen mit Insassen bekam Schrep immer ein Handy mit einem Notfallknopf, für den Fall, dass einer der Gefangenen handgreiflich werden würde. Schrep: »Ich habe mich nicht ein einziges Mal bedroht gefühlt.« zum Artikel 

Der Juso-Chef und stellvertretende SPD-Vorsitzende Kevin Kühnert ist besessener Fußballfan und verteilt seine Leidenschaft auf gleich drei Vereine: Tennis Borussia Berlin, den FC Bayern München und Arminia Bielefeld – eine außergewöhnliche Mischung. SPIEGEL-Autor Marc Hujer wollte am Beispiel von Kühnert beschreiben, wie man zum Fan wird, und geplant war, Kühnert zu je einem Heimspiel seiner drei Vereine zu begleiten. Wegen der Corona-Pandemie schafften es die beiden nur zu Arminia Bielefeld. Aber wie sich herausstellen sollte, war Bielefeld für Kühnert in dieser Saison ohnehin die wichtigste Station. Bis zuletzt zweifelte Kühnert am Aufstieg Bielefelds und stellte damit einmal mehr unter Beweis, dass er ein echter Fan ist. Denn zur geschundenen Psyche des Fans zählt, dass er selbst im Moment größten Glücks noch an ein Scheitern denkt. Als Hujer kurz vor Saisonende Kühnert noch einmal in dessen Berliner Stammkneipe traf und ihm zum Erfolg seiner drei Vereine gratulieren wollte, wehrte Kühnert ab: »Bielefeld«, sagte er, »ist erst zu 80 Prozent aufgestiegen.« zum Artikel 

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