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Hausmitteilung Titel / Elfenbeinküste

aus DER SPIEGEL 11/2011
Thielke

Thielke

Foto: MARCO KAUFMANN

Die Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima zwang die SPIEGEL-Redaktion zu einer ungewöhnlichen Operation: Am Samstagmittag wurden die Druckmaschinen gestoppt, die Druckzylinder mit der Titelgeschichte über die Tsunami-Katastrophe im Fernen Osten mussten durch einen frischen Satz mit einer noch dramatischeren Story ersetzt werden, der Geschichte über den ersten GAU nach dem Desaster von Tschernobyl vor 25 Jahren. Seit Freitag bahnte sich in Fukushima eine Katastrophe an, die Hamburger SPIEGEL-Zentrale alarmierte Korrespondenten in Asien, Amerika und Europa. Als es im Atomkraftwerk dann am Samstag, 15.36 Uhr Ortszeit, zu einer Explosion kam, war Bangkok-Korrespondent Thilo Thielke, 43, bereits in Tokio gelandet und auf dem Weg in die vom Unglück betroffenen Gebiete, zehn Stunden brauchte er allein vom Flughafen in die Innenstadt von Tokio: »Es ist alles verstopft, aber die Menschen sind nicht in Panik.« Ostasien-Korrespondent Wieland Wagner, 51, sammelte von Peking aus Informationen aus der Region. 1995 hatte er schon über Störfälle im Schnellen Brüter Monju berichtet. Damals wie heute verbergen die Behörden offenbar das wahre Ausmaß des Unglücks: »Sie spielen die Gefahren herunter, vertuschen, wo sie können, wenn es zu einem atomaren Unfall gekommen ist«, sagt Wagner, »das zieht sich wie ein roter Faden durch die japanische Atompolitik.« Mit den Informationen der Korrespondenten aktualisierten die Hamburger Kollegen Hans Hoyng, 62, Cordula Meyer, 39, und Olaf Stampf, 44, die Titelgeschichte. Meyer hatte zuletzt im SPIEGEL über die Renaissance der Kernenergie und Pannen beim Bau des neuen Atomkraftwerks im finnischen Olkiluoto berichtet. »Jetzt«, sagt sie, »dürften sämtliche Pläne für den Bau neuer Meiler in Europa und den USA hinfällig werden« (Seiten 122, 132).

Steht nun auch die Elfenbeinküste erneut vor einem Bürgerkrieg? Es gibt ein Land, zwei Präsidenten und keine Lösung. Alt-Präsident Laurent Gbagbo und Wahlsieger Alassane Ouattara ringen um die Macht. Auch die vorläufig letzten politischen Vermittlungsbemühungen sind am vergangenen Donnerstag gescheitert. SPIEGEL-Korrespondent Horand Knaup, 52, reiste eine Woche lang durchs Land. Er sprach mit Politikern und Diplomaten, Kaffeepflanzern und Milizionären, er besuchte »befreite« Zonen und Pro-Gbagbo-Veranstaltungen. Keine ungefährliche Reise: Milizionäre geben auf den Straßen den Ton an, in der Metropole Abidjan wird fast täglich geschossen, und auch Knaup und sein Kollege Markus Haefliger von der »Neuen Zürcher Zeitung« entkamen nur knapp einer Schießerei. In die Krankenhäuser wurden hinterher vier Tote und ein Dutzend Verletzte eingeliefert. »Es gibt nur zwei Optionen«, so Knaup, »entweder Laurent Gbagbo geht schnell das Geld aus und er kann seine Soldaten nicht mehr bezahlen - oder es gibt Krieg« (Seite 98).

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