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Hausmitteilung Titel / Flüchtlinge / Venezuela

aus DER SPIEGEL 35/2017
Sontheimer, Boock

Sontheimer, Boock

Foto: JESCO DENZEL / Der Spiegel

Vor 40 Jahren, am 5. September 1977, begann der »Deutsche Herbst": Die RAF, die Rote Armee Fraktion, verschleppte in Köln den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Einer der Kidnapper war Peter-Jürgen Boock, er bewachte Schleyer gut eine Woche lang und sprach sich später für die Entführung der »Landshut« aus, einer Maschine der Lufthansa. Zum ersten Mal traf Michael Sontheimer den zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilten Boock im Herbst 1987 im Hamburger Gefängnis Fuhlsbüttel, Boock organisierte damals Kulturveranstaltungen für Mitgefangene. Sontheimer befragte Boock bald ausführlich über seinen Weg aus einem Erziehungsheim in den Terrorismus. 30 Jahre später setzten sich die beiden wieder zusammen, nun in Berlin. Sie sprachen drei Tage lang über den Terror von heute und darüber, wie die RAF versucht hatte, Kanzler Helmut Schmidt zu erpressen, was die Bundesrepublik an den Rand des Staatsnotstands brachte. Das Ergebnis ist ein in vielen Einzelheiten bislang unbekanntes Stück Zeitgeschichte. Sontheimer sagt: »Wer die RAF und die moralischen Abgründe des Terrorismus verstehen will, kommt an Boock nicht vorbei.« zum Artikel 

Als der Syrer Ammar Karakouz vor mehr als drei Jahren seine Frau Tabarak in einem Armenviertel im Libanon zurückließ, um in Hamburg ein neues Leben zu beginnen, wollte er seine Familie so schnell wie möglich nachholen. Doch der Plan scheiterte. Tausende Frauen wie Tabarak sitzen fest, mit ihren Kindern harren sie in der Türkei aus, auf Lesbos, in Thessaloniki und in Minija, wo Katrin Elger mit Tabarak gesprochen hat. Tabarak lebt dort in einer Baracke und befürchtet, ihren Mann nie wiederzusehen. Sie darf nicht hinein nach Deutschland und ihr Mann nicht hinaus, weil Papiere fehlen. Manchmal schickt er ihr Fotos; als die Tochter starb, war er per WhatsApp-Videochat zugeschaltet. »Selten ist mir ein Schicksal so nahegegangen«, sagt Elger, die zusammen mit Mitarbeiterin Asia Haidar recherchierte. Ob Elger ihnen irgendwie helfen könne, fragte Tabarak bei dem Treffen. Nein, antwortete Elger, sie könne nur ihre Geschichte erzählen. Die beginnt auf zum Artikel 

Mit einem Boot und einem Flugzeug flüchtete die abgesetzte Generalstaatsanwältin Luisa Ortega Díaz vergangene Woche aus Venezuela nach Kolumbien, wo man ihr politisches Asyl angeboten hat. In ihrer Heimat, in Caracas, hatte der Geheimdienst zuvor ihre Wohnung durchsucht, sie musste fürchten, verhaftet zu werden, nachdem sie dem Präsidenten Nicolás Maduro Korruption vorgeworfen hatte. Jens Glüsing gelang es, Ortega Díaz nach ihrer Flucht exklusiv zu interviewen. Er traf sie in Brasilien, bei einer Konferenz über Verbrechensbekämpfung in Lateinamerika. Eine Nacht und einen Tag lang hatte sich Glüsing bemüht, sie sprechen zu dürfen, dann ließ man ihn unter hohen Sicherheitsvorkehrungen schließlich zu ihr. Glüsing hat Verständnis für die Vorsichtsmaßnahmen: »Ortega Díaz besitzt Informationen, dass Auftragskiller sie umbringen sollen.« zum Artikel 

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