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Hausmitteilung Titel / Amthor / Flughafen Tegel

aus DER SPIEGEL 26/2020
Fokken

Fokken

Das Land ist nach dem Lockdown auf dem Weg in die Normalität: Geschäfte öffnen wieder, Biergärten, selbst Saunen und Fitnessstudios. Nur in den Schulen, so die Wahrnehmung genervter Eltern und Kinder, gibt es Fortschritte allenfalls in Trippelschritten. Ein SPIEGEL-Team um Alfred Weinzierl fragte Eltern, Schüler und Lehrer, woran es hakt. Und die Redakteure trafen Pädagogen, die die Dinge selbst in die Hand nehmen. Armin Himmelrath etwa sprach mit dem Leiter einer Schule in Durmersheim nahe Karlsruhe, der Anordnungen aus dem Kultusministerium konsequent aus der Perspektive der Schüler interpretiert und umsetzt. Silke Fokken ließ sich von dem Münchner Mathelehrer Robert Plötz mitreißen, der dem Ministerium erklärte, wie professionell gestalteter Onlineunterricht stattfinden könnte – natürlich in einem YouTube-Video. Dass der Unterricht nach den Sommerferien wieder so ist wie in Vor-Corona-Zeiten, glauben die Redakteure dennoch nicht. »Trotz vielversprechender Ankündigungen ist absehbar, dass weiterhin vielerorts auf Sicht gefahren wird«, sagt Fokken. 
Die Kultusminister wollen nach den Sommerferien zum normalen Schulbetrieb zurückkehren – doch das wird schwierig 

In einem Informantengespräch Anfang des Jahres erhielt das Investigativteam des SPIEGEL den ersten Tipp, sich näher mit dem US-Unternehmen Augustus Intelligence zu beschäftigen. Dem New Yorker Start-up stehe so mancher deutsche Spitzenpolitiker nah, hieß es. Das Team begann, Unternehmensregister und Gerichtsdokumente zu prüfen, die Redakteure sprachen mit Personen aus dem Umkreis der Firma. Im März enthüllte die erste Geschichte, dass der 27-jährige Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor Aktienoptionen von Augustus erhalten hatte. »Wir haben weitergebohrt und sind auf ein ausgeklügeltes Lobbyismussystem gestoßen«, sagt Reporterin Nicola Naber. Diese Enthüllung der vergangenen Woche erschütterte das politische Berlin: Amthor bezeichnete sein Handeln für Augustus danach als »Fehler« und zog sich aus dem Untersuchungsausschuss zum Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz zurück. Politiker forderten ein neues Lobbygesetz, und nun beleuchtet der SPIEGEL Amthors Beziehungen zu einer Kanzlei, die den CDU-Politiker gegen Bezahlung beschäftigt hat, gleichzeitig stand sie in Verbindung zu dem umstrittenen Start-up-Unternehmen. Seine Worte wägt der junge Politiker derzeit vorsichtig ab – unüblich für den Shootingstar, der sich sonst durchaus gesprächig zeigte. Für ein Porträt traf Spiegel-Autor Marc Hujer den Politiker seit Oktober 2018 mehrmals und begleitete ihn sogar bei Jagdausflügen. »Amthor ist ein politisches Ausnahmetalent; redegewandt, provokant, nahezu furchtlos«, sagt Hujer. Der Politiker habe »eine Selbstsicherheit, die manchmal auch unheimlich war«.

An seine erste Reise, die am Flughafen Tegel begann, kann sich Spiegel-Autor Jochen-Martin Gutsch noch gut erinnern: Es ging nach London, im Jahr 1992. Für Gutsch, aufgewachsen im Ostteil der Stadt, ist der Flughafen Tegel seitdem unzählige Male der Ort für Abflug und Ankunft gewesen. »Ich fand immer: Tegel ist der praktischste, zentralste Großstadtflughafen überhaupt.« Leider vorbei: Ein letzter Sommer noch, dann wird der Flughafen Tegel, auf dem Gutsch nun mit den Architekten Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg zusammentraf, endgültig geschlossen. Und damit endet auch, so Gutsch, eine Ära des Reisens, in der man, »gerade auch in Anbetracht der aktuellen Corona-Pandemie, noch erstaunlich unbekümmert durch die Welt flog«. Zum Artikel 

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