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Hausmitteilung Titel / Uiguren / Le Martinet / SPIEGEL GESCHICHTE

aus DER SPIEGEL 21/2021

So viele Deutsche wie nie zuvor verlassen derzeit die katholische Kirche, und – wichtiger noch – es sind nun auch die Gläubigen, die Überzeugten, die lange das Rückgrat der Pfarreien bildeten. Für die Titelgeschichte dieser Woche ist ein SPIEGEL-Team den Gründen für den Exodus aus der Kirche nachgegangen . Felix Bohr sprach etwa mit Priestern und überlasteten Pfarrern, Alfred Weinzierl mit katholischen Geistlichen, die homosexuellen Paaren den Segen geben – vom Papst noch immer verboten. Annette Langer traf Frauen, die – wiederum gegen den Willen Roms – de facto eine Ausbildung zur Diakonin absolvieren. Der Befund des Teams: Die Kirche agiert weiterhin wie im Mittelalter, absolutistisch strukturiert, undemokratisch und mit dem Willen, alles so zu lassen, wie es ist. Eine Umfrage im Auftrag des SPIEGEL zeigt zudem: Eine Mehrheit der Katholiken hält die Kirche nicht mehr für vertrauenswürdig, »eine Folge der Missbrauchsskandale«, sagt Weinzierl. Eine unabhängige Wahrheitskommission sei notwendig, um diese Fälle aufzuarbeiten – »nur so kann die Kirche ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen«.

Uiguren

In Chinas Unruheprovinz Xinjiang fiel SPIEGEL-Korrespondent Georg Fahrion nicht zuletzt wegen seines Bartes auf. Dass so etwas in Fahrions Wohnort Peking erlaubt ist, konnte ein alter Uigure in der nordwestchinesischen Region gar nicht fassen. Dort haben sich sogar gläubige Muslime fast allesamt ihren Bart abrasiert, ein einfach zu lesendes Zeichen ihrer Unterdrückung durch den chinesischen Staat. Anderes ist schwieriger auszumachen: Die Überwachung ist so technologisch ausgereift wie allgegenwärtig, kaum jemand wagt, offen zu sprechen. Fahrion und der Fotograf Roman Pilipey erfuhren dennoch, dass sich das Regime der Kommunistischen Partei in Xinjiang gewandelt hat . »Im Vergleich zu vergangenen Jahren haben die Sicherheitskräfte ihre Präsenz deutlich heruntergefahren«, sagt Fahrion. »Das heißt keineswegs, dass die Verfolgung der Uiguren ein Ende hat, doch sie scheint in eine neue Phase übergegangen zu sein.«

Die Leserin Marianne Mion hatte nur ein Foto ihres Heimatdorfs eingeschickt, für die SPIEGEL-Rubrik »Familienalbum«. Am Rande erwähnte sie, dass dieser 750-Seelen-Ort Le Martinet die einzige Gemeinde Frankreichs sei, die seit 100 Jahren kommunistisch regiert werde. Grund genug für Reporter Alexander Smoltczyk und Fotograf Maurice Weiss, sich auf den Weg zu machen . Wieso gibt es dort ein gallisches Dorf der Unentwegten, da doch ringsum die extreme Rechte einer Marine Le Pen immer stärker wird? »Le Martinet ist kein Modelldorf und noch weniger eine Utopie«, sagt Smoltczyk. »Aber es entpuppte sich als Ort, wo ausgerechnet die Kommunisten ein sehr traditionelles Frankreich bewahrt haben – wenn auch ohne Kirchenglocken.«

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