Zur Ausgabe
Artikel 51 / 102
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

UNGLÜCKE Tod nach Feierabend

aus DER SPIEGEL 4/2007

Leider war es Montag und nicht Donnerstag, sonst wären vier Besatzungsmitglieder der Schnellfähre »Segesta Jet«, darunter der Kapitän, wohl noch am Leben und knapp 90 Passagiere nicht zum Teil schwer verletzt. Als das Tragflächenboot vorigen Montag um 17.50 Uhr in der Meerenge zwischen dem kalabrischen Reggio di Calabria und dem sizilianischen Messina bei ruhigem Wasser und klarer Sicht von einem Containerschiff gerammt wurde, hatte das Radarkontrollzentrum Forte Ogliastri bereits Feierabend. Die sieben Monitore waren pünktlich ab 17 Uhr unbesetzt. »Mit Sicherheit hätten wir den Kollisionskurs der beiden Schiffe bemerkt und Alarm gegeben«, behauptet der zuständige Hafenkapitän Antonio Samiani. Die Meerenge von Messi-na ist eine der meistbefahrenen Seeverkehrswege Italiens. Nach einem schweren Schiffsunglück 1985 wurde im Jahr 2003 endlich ein Radarsystem in Dienst gestellt - »probeweise«, wie der Hafenkapitän betont. Die Versuchsphase dauert bis heute. Nur an einem Wochentag, jeden Donnerstag, läuft die Anlage 24 Stunden ohne Unterbrechung. Das war das Pech der »Segesta Jet«. Zumal nach den bisherigen Ermittlungen wohl noch ein anderes Schiff, die Fähre »Zancle«, kurz zuvor die Route kreuzte und der Besatzung die Sicht nahm. An den Dienstzeiten und damit an der Sicherheit in der Straße von Messina wird sich wohl auch in Zukunft wenig ändern. Denn um die Radaranlage rund um die Uhr laufen zu lassen, »müsste man das System austauschen«, sagt Samiani: »Das jetzige haben wir schon 1992 ausgesucht und ist jetzt veraltet.«

Zur Ausgabe
Artikel 51 / 102
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.