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Briefe

Tödliche Hysterie
aus DER SPIEGEL 30/1972

Tödliche Hysterie

(Nr. 28/1972, Polizei)

Ein Polizist, der ohne Not einen nackten. wehrlosen Mann niederknallt, und der Polizeipräsident Rau meint, diese Tat sei nur durch »tiefenpsychologischen Ausnahmezustand« zu erklären. Welchem Sprachschatz dieser Polizist. der von sich behauptet, er verstünde nichts von Psychologie, diesen »Fachausdruck entnommen hat, wissen die Götter. Der amoklaufende Kollege genießt die Freiheit.

Essen WILLY GOCKEL

Diese polizeiliche »Spitzenleistung«, die mit dem Tod von Iain Macleod endet. läßt sich wohl kaum ausreichend mit einem tiefenpsychologischen Ausnahmezustand des Beamten erklären. Sie scheint eher eine neue und tödlich endende Variante der BM-Hysterie zu sein.

Koblenz WALTER GOLLHARDT

Polizeibeamte sind, wie alle Durchschnittsbürger, für den Umgang mit Waffen und für die psychische Bewältigung kritischer Situationen völlig ungeeignet. Wegen ihrer privilegierten Stellung, als Vollzugsbeamte des Staates, haben sie aber weniger Hemmungen, zu schießen. Während es im umgekehrten Fall nämlich immer Mord ist, läuft bei ihnen die Sache auf Fahrlässigkeit hinaus. Selbst wenn, wie in Stuttgart. ein nackter, vor dem Polizisten Flüchtender, Unbeteiligter in den Rücken geschossen wird. Darum wird jeder vernünftige Mensch den schlecht bezahlten, schlecht ausgebildeten und in der Regel auch nicht besonders intelligenten Polizisten keine Argumente dafür liefern, daß sie in der Gegend rumballern können. Die Baader- Meinhof-Gruppe hat aber mit ihren Wahnsinnshandlungen der deutschen Polizei genau diese Argumente geliefert und damit indirekt den Tod des Schotten Macleod mitverschuldet. Ich nenne diese Leute dennoch Gruppe. Denn die, die sie lieber Bande nennen, bezeichnen ja die griechische Regierung auch nicht als Verbrecherbande, obwohl sie dies zweifellos ist.

Nürnberg HANS-PETER ERNST

Von B -- M (Benno Ohnesorg bis Macleod) über Georg von Rauch und Petra Schelm. seit der BM-Hysterie immer dasselbe: Laßt die deutschen Bullen ran, die töten nur in (Putativ-) Notwehr. Werner Hoppe dagegen wird mit einer einzigen leeren Hülse des vierfachen Mordversuches angeklagt. Wenn der Putz-Präsident Rau nur noch beten will. so mag er sich erinnern, wohin die Berufung des Allmächtigen und der »Vorrsähungg« uns geführt hat, als wir zur Hatz auf Menschen bliesen, die eine bessere Welt wünschten.

Wunstorf (Nieders.) ALBRECHT WALSEMANN

Pastor

jetzt sind alle Schotten dicht. Ein toter Schotte ist ein guter Schotte, denn er kann seine Unschuld nicht beweisen. Mich wundert nicht, wenn ein Homophiler Dialekt-Englisch für vertrauliche Gespräche am Telephon bevorzugt. Auch wird ein Engländer mit seinem Landsmann gewiß nicht deutsch sprechen, auch wenn er die Fremdsprache beherrscht. Was soll ein finanziell gutgestellter Manager für Interesse haben, in seinem Residenzland, das für seinen Kontinentauftrag wichtig ist, Revolution zu machen, wenn er das nicht im Dienst des britischen oder anderen Geheimdienstes zu tun gezwungen wäre, was ich ebensowenig annehme wie den Umstand, daß Frau Ensslin als Philologin einen solchen Kassiber geschrieben haben soll.

Hannover ERNST SOMMER

Ich gebe zu, es besteht kein existentielles Interesse der Öffentlichkeit daran, möglichst schnell den Namen des Polizisten zu erfahren, dessen tragisches, auf mangelnder Schulung, blinder Wut oder Angst beruhendes Versagen zum Tode eines Menschen geführt hat. Deshalb will ich auch den Namen des Polizisten nicht wissen (wohl aber die genauen Umstande) -- ich will aber auch nicht den Namen eines Anwalts offiziell veröffentlicht sehen, der nicht etwa einen Menschen getötet hat, sondern nach den offiziellen Verlautbarungen lediglich deshalb des »Kassiberschmuggels verdächtigt wird, weil er die Möglichkeit hierzu hatte«. Hier werden unter dem Vorwand, den Rechtsstaat zu verteidigen, derselbe und die Rechte des Betroffenen mit Füßen getreten.

Duisburg HENDRIK VYGEN

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