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Jugendforschung Toleranz eher links

aus DER SPIEGEL 8/1994

Der typische politische Gewalttäter ist männlich, Hauptschüler, 16 bis 17 Jahre alt, lebt im Osten Deutschlands und stuft sich selbst als rechtsstehend ein - Fazit einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI), das per Befragung von gut 7000 jungen Deutschen Zusammenhänge zwischen Gewaltbilligung und politischer Orientierung erhellt hat. Die große Mehrheit der 16- bis 29jährigen plädiert, so das jüngste DJI-Bulletin, für Ächtung von Gewalt; drei von vier Befragten widersprechen der Ansicht: »In jeder Gesellschaft gibt es bestimmte Konflikte, die mit Gewalt ausgetragen werden müssen.« Sogar 81 Prozent der Jugendlichen und Jungerwachsenen meinen: »Auch wer in einer Auseinandersetzung recht hat, sollte einen Kompromiß suchen.« Besonders ausgeprägt ist die Toleranzbereitschaft »bei denjenigen, die sich selbst ideologisch in der Mitte oder eher links einordnen«. Gebilligt wird Gewalt vor allem in der Gruppe der »eindeutig rechtsorientierten Jugendlichen« (im Osten 4,3, im Westen 3,8 Prozent aller Befragten). Die Hälfte der West-Rechten und sogar zwei Drittel der Ost-Rechten sind gewaltgeneigt.

Allerdings: Immerhin ein Drittel jener Jugendlichen, die sich als eindeutig links einordnen (in Ost und West je 6,2 Prozent aller Befragten), halten ebenfalls gewaltsame Konfliktlösungen für unvermeidlich. Die linken Militanten weisen ein deutlich anderes Bildungsprofil als ihr rechtes Pendant auf: Linke Gewaltliebhaber sind, so das DJI, »eher hoch gebildet«, rechte zählen »eher zu den einfachen Bildungsschichten«.

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