Zur Ausgabe
Artikel 13 / 111
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

KIRCHE »Toleranz praktizieren«

EKD-Ratsvorsitzender Bischof Wolfgang Huber, 64, über den schwierigen Dialog mit den Muslimen
aus DER SPIEGEL 6/2007

SPIEGEL: Unter Hinweis auf die EKD-Schrift »Klarheit und gute Nachbarschaft« haben Muslime ein Spitzentreffen mit Protestanten abgesagt - sollte das Papier nicht das Gegenteil bewirken?

Huber: In unserem Text zum christlich-muslimischen Verhältnis haben wir deutlich gemacht, dass dem Dialog nicht gedient ist, wenn man alles in die Sprache der Diplomatie verpackt - statt abweichende Meinungen offen auszusprechen. Die Handreichung für die Gemeinden ist kein Papier der Abgrenzung. Falls es dennoch Irritationen gibt, wäre der vereinbarte Gesprächstermin eine gute Gelegenheit gewesen, sie zu bearbeiten.

SPIEGEL: Auf Kritik stieß vor allem Ihr Wille zur Mission. Wollen Sie Muslime bekehren oder als gleichberechtigte Partner behandeln?

Huber: Klar: Ohne Gleichberechtigung gibt es kein Gespräch. Aber Dialog und Mission schließen sich nicht aus. Wir nötigen niemandem unseren Glauben auf, aber wir verschweigen ihn auch nicht. Ein Dialog kann nur ehrlich sein, wenn jeder Gesprächspartner zu seinen Überzeugungen steht und zugleich aufmerksam auf den anderen hört. Wir bringen deshalb unser Bekenntnis zum dreieinigen Gott zur Sprache. Und wir stehen zu den Werten, die sich daraus ergeben. Aus dieser Haltung respektieren wir andere Religionen und praktizieren Toleranz. Es kann meiner Auffassung nach nicht die Aufgabe der muslimischen Verbände sein, uns vorzuschreiben, wie wir den christlichen Glauben zu verstehen haben. Wenn sie Einwände dagegen haben, wie wir den Islam darstellen, werden wir das aufmerksam hören.

SPIEGEL: Die Muslime lesen aus dem Papier eine klare Botschaft: »Das Christentum ist gut und aufgeklärt, der Islam ist schlecht und unaufgeklärt«. Ist Kirche so nicht Vorreiter von Vorurteilen?

Huber: Im Gegenteil! Dass wir von unserem Glauben überzeugt sind, braucht doch niemanden zu verwundern. Dass unser Text Vorurteile verstärkt, kann ich nicht erkennen. Vorurteile werden nicht dadurch abgebaut, dass man kritische Fragen vermeidet, sondern sie offen bespricht. Deshalb habe ich seinerzeit die Initiative zum Gespräch ergriffen.

SPIEGEL: Wie geht der muslimisch-protestantische Dialog nun weiter?

Huber: Obwohl es so verabredet war, haben die muslimischen Verbände inzwischen offenbar Bedenken dagegen, dass die EKD die einladende Seite ist. Deshalb wäre es falsch, jetzt unsererseits eine neue Gesprächseinladung auszusprechen. Die muslimischen Verbände haben um eine Bedenkzeit gebeten; offenbar haben sie internen Klärungsbedarf. Erst danach können wir auch ermessen, wie unser Papier bei ihnen ankommt. Selbstverständlich sind wir zur Fortsetzung der Gespräche bereit. Denn man sollte auch bei kontroversen Themen besser miteinander als übereinander reden.

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 13 / 111
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.