Zur Ausgabe
Artikel 79 / 88
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Briefe

»Too much«
aus DER SPIEGEL 32/1990

»Too much«

(Nr. 30/1990, Kommentar von Rudolf Augstein: Kein Bismarck, kein Ribbentrop)

Situs inversus totalis! Augstein lobt Kohl; das ist ja gerade so, als ob die Toten Hosen ins Köchelverzeichnis aufgenommen würden. Birne mutiert zur Götterspeise. Mir sind vor Schreck die Kontaktlinsen angelaufen. Bange fragt man sich: Was kommt nun? Hofberichtjournaille statt gnadenloser Antithese? Er war der Geist, der stets verneint. Mein Vorschlag: ein Wiederscharfmachungsprogramm. Schickt Rudolf Augstein ins Trainingslager. Aussitzen darf keine deutsche Primärtugend werden. Der gute alte Biß muß bleiben! *UNTERSCHRIFT: Frankfurt DR. MED. DIETER MARKERT

Noch vor einem Jahr galt Kohl (auch für Sie) als beschränkter Politiker, als träger Aussitzer, der von einem Fettnäpfchen ins andere trat. Jetzt auf einmal ist er der große Held, umgeben von Ruhm und Triumph, und der größte, erfolgreichste Macher aller Zeiten. Lassen wir doch die Kirche im Dorf: Ohne Gorbatschow wäre dieser Mann immer noch eine Null und das »Neue Denken« ein Embryo. *UNTERSCHRIFT: Meran (Italien) THUSNELDA MARIA MUSSNER

Kohl wird künftig auch den SPIEGEL lesen: Ein Leser mehr; Glückwunsch, Herr Augstein! *UNTERSCHRIFT: Essen WILHELM WALD

Der »Staatsmann Kohl« hat nur eine wirklich einmalige Eigenschaft: Noch keinem deutschen Politiker ist in ähnlicher Weise alles in den Schoß gefallen wie ihm. Früher mußte er die Dinge »aussitzen«, jetzt kann er trampeln, wohin er will - schon stolpert er in den nächsten Erfolg. Er hat gegen die Ostverträge gegiftet wie kaum einer und Gorbatschow mit Goebbels verglichen; als Lohn schenken die Russen ihm die (Nato-)Einheit zum Arbeitsfrühstück. Für die europäische Einigung hat er nicht mehr getan, als jeder andere deutsche Kanzler auch hätte tun müssen. Nun werden auch noch die »Brüder und Schwestern« auf ihn hereinfallen, und wenn er nicht gestorben ist, dann kanzlert er noch bis ins nächste Jahrtausend. *UNTERSCHRIFT: Tegernheim (Bayern) HEINRICH MÜLLER

Zu Ihrer unerträglichen Kohl-Lobhudelei und den (im Moment noch) unstrittigen deutschlandpolitischen Erfolgen des Kanzlers fällt mir lediglich ein altes, sehr schlichtes Sprichwort aus dem Volksmund ein: »Das Glück ist ein Rindvieh und sucht seinesgleichen.« In der gegenwärtigen Situation Michail Gorbatschow mit dem gefüllten Portemonnaie zu winken und ihm Zugeständnisse - im wahrsten Sinne des Wortes - abzukaufen, dazu bedarf es wahrlich keines staatsmännischen Geschicks! *UNTERSCHRIFT: Sinsheim (Bad.-Württ.) JÜRGEN BAUER

Indirekt unterstützen Sie neubelebtes Tauroggen- und Rapallo-Gemurmel, das (wie Sie selbst besser wissen) eine höchst unberechenbare Stimmung hervorrufen kann, wenn von Ihnen als bekanntem Meinungsträger nicht klar zur Vorsicht gemahnt wird. Es ist »too much«, wie man im Berliner Straßenjargon sagt. Ob die Völker, über die da bei den vielen »Gipfeln« verhandelt wird, wirklich ein Stück von besagter Butterstulle abbekommen, wie versprochen oder gewünscht, ist ungewiß. Keine historische Erfahrung spricht dafür. *UNTERSCHRIFT: Berlin GÜNTER HOFFMANN

Was ist denn bloß mit Ihnen los? Das Gesülze um den Kanzler kann man ja nicht mehr hören, und Sie mitsamt dem SPIEGEL tuten in der ersten Reihe. Dabei ist dem Kanzler die ganze »Wiedervereinigung« buchstäblich in den Schoß gefallen. Die Zugeständnisse von Herrn Gorbatschow hätte jeder andere Kanzler für die gleichen Gegenleistungen auch bekommen. Alles, was jetzt holterdiepolter abläuft, ist des Kanzlers pures Machtstreben und sonst gar nichts. *UNTERSCHRIFT: Frankfurt CHRISTA WILDERMANN

Gorbatschow hat Genscher umsonst an den Tisch im Kaukasus gebeten. Denn Augstein feiert Kohl, nicht Genscher, ohne den das Abkommen mit der UdSSR nicht zustande gekommen wäre. Man muß schon auf »Größe« fixiert sein, wenn man in der gegenwärtigen Situation nicht an die Revolutionäre des Herbstes 1989 in der DDR erinnert und die vielen Rippenstöße Genschers vergißt (um sich gegenüber Kohl zum Beispiel in der Oder-Neiße-Grenze und der Ostgrenze der Nato-Stationierung durchzusetzen). Genscher schuf durch unermüdliche Verhandlungen mit allen Seiten die Voraussetzungen für die deutsch-sowjetische Kooperation, nicht Kohls »überzeugende Energie« oder die »Entscheidung«, die Kohl »niemand abnehmen« konnte. Augstein, mir graut's vor dir! *UNTERSCHRIFT: Hannover PROF. DR. JÜRGEN SEIFERT

Glückwunsch wozu? Die Wiedervereinigung ist doch wohl nicht Kohls Verdienst, sondern das der Bürger der DDR, besonders der aus Leipzig und Dresden. Das Wohl der Menschen kann ihm nicht am Herzen liegen, sonst hätte er die Staatsverträge nicht auf die schnelle schustern lassen. Es ist wohl so, daß er sich zum gesamtdeutschen Kaiser krönen lassen will. *UNTERSCHRIFT: Schönecken (Rhld.-Pf.) LOTHAR TENIE

Helmut Kohl hat einfache und gerade Aussagen zu vielen Dingen der deutschen und der Weltpolitik gemacht. In Ihren Augen ist er eben kein Intellektueller, aber ein Bundeskanzler, der zupacken und entscheiden kann (wie in der Deutschen-Frage bewiesen). Dieser Mann strahlt Wärme und Herzensgüte aus; Merkmale, die in dieser Zeit zwar belächelt werden, aber sehr, sehr wichtig sind! Daß Sie, sehr geehrter Herr Augstein, jetzt den Bundeskanzler so loben, ehrt Sie sehr. Aber nach all den Angriffen, die Sie und Ihre Schreiberlinge schon gefahren haben, wäre Schweigen die bessere Position gewesen. *UNTERSCHRIFT: Bielefeld WOLFGANG FRANZ HAHNER

Warum hat Rudolf Augstein uns vorenthalten, daß Bundeskanzler Kohl im Kaukasus wieder unlautere Innenpolitik getrieben hat? Er hat, was man doch endlich vergessen sollte, wiederholt, daß Präsident Gorbatschow und er der Gnade der späten Geburt teilhaftig wären. Seine Gegner, die ihm immer vorwerfen, nur wahltaktisch zu agieren, müssen sich bestätigt fühlen. Was soll denn sonst bedeuten, Gorbatschow hätte als Zehnjähriger eine Hiwi-Position unter den Nazi-Okkupanten eingenommen, er aber, Kohl, wäre ein angepaßter Schüler in einem nicht vom Feind besetzten Gebiet gewesen. Die Schlußfolgerung kann doch eigentlich nur sein: Kohl, zehn Jahre früher geboren, wäre ein Nazi geworden. Gorbatschow, zehn Jahre früher geboren, wäre ein Stalinist geworden. Es mag ja sein, daß das Außenpolitik ist. Es mag aber auch genausogut sein, daß man einen solchen Bundeskanzler mit Recht einen Tölpel nennen darf. *UNTERSCHRIFT: Hamburg JOHANNES MICHALSKI
*BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:

Mieser Kanal *EINLEITUNG: (Nr. 30/1990, Umwelt: SPIEGEL-Report über die Verschmutzung der Elbe) *

Entgangen ist Ihnen noch, daß man den ganzen Fluß entlang auf Böden, die alljährlich bei Hochwasser wochenlang mit dieser Brühe durchtränkt werden, immer noch fröhlich und unbeschwert Nahrungsgüter produziert. Da gibt es Korn-, Futter- und auch Gemüsefelder, da weiden glückliche Kühe saftiggrünes und manchmal auch schmutziggraues Gras, stillen ihren Durst aus dem breiten Strom - und keiner findet was dabei. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß hier großflächig alle relevanten Meßwerte weit oberhalb jeder tolerablen Größenordnung liegen - aber solang keiner tot umfällt, wird sich wohl niemand mit dem Landvolk anlegen, denn unsere Bauern sind schließlich das einzige Wild, das hierzulande einen tatsächlich wirksamen Artenschutz genießt. *UNTERSCHRIFT: Vietze (Nieders.) ULRICH MEHL

Für marode Wirtschaftsunternehmen, zum Beispiel DDR-Landwirtschaft, werden sofortige Hilfsprogramme gestartet. Wenn es sich aber um ökologische Notstandsgebiete handelt, dann bleiben Sofortmaßnahmen aus, weil es an »abgesicherten« Meßergebnissen fehlt. Unsere Politiker sehen ihre verantwortungsvolle Aufgabe leider eher in der Auseinandersetzung darüber, ob Bonn als Hauptstadt zu klein ist oder nicht. *UNTERSCHRIFT: Hamburg WOLFGANG OEHLER

Zu welchen »Unfähigkeiten« der »Wasserbau« fähig ist, ist an der zuerst kanalisierten Strecke des Mains zu erkennen. Praktisch alle Erfolge in der Verbesserung der Wassergüte wurden durch einen widersinnigen und gedankenlosen Ausbau zunichte gemacht. Einstmals war der Main der fischreichste Fluß Germaniens, heute ist er trotz besserem Wasser immer noch ein mieser Kanal. *UNTERSCHRIFT: Mühlheim (Hessen) ALWIN KAISER

Als Ausrüster für die Zellstoffindustrie wissen wir seit langem, wie die Umweltsituation der einzelnen Zellstoffwerke in der DDR aussieht. Wir können Ihnen heute mitteilen, daß mindestens zwei der Hauptverschmutzer der Elbe, wie das Zellstoffwerk Coswig, zum 30. Juni 1990 stillgelegt wurden und andere uns bekannte Werke die Produktion vorübergehend (oder für immer?) eingestellt haben. Seit geraumer Zeit versuchen wir, die Zellstoffindustrie der DDR auf umweltgerechte Bleichmethoden hinzuweisen. Verständnis haben wir bei den Produktionsleitern gefunden. Jetzt endlich setzen die beiden wichtigsten Werke der DDR Sauerstoff ein. *UNTERSCHRIFT: Bad Homburg ROBERT MOHR für die Belegschaft der Firma Sunds Defibrator
*BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:

Flink gewendet *EINLEITUNG: (Nr. 30/1990, Abrüstung: SPIEGEL-Gespräch mit DDR-Verteidigungsminister Rainer Eppelmann über die Zukunft der deutschen Armeen) *

Repräsentative Amtsräume, feudale Ministerwohnungen, schwarze Limousinen mit Stander, Generale stehen stramm, Posten salutieren, die Volksmarine schießt Salut, wenn der Herr Minister auf seinem Flaggschiff vorbeirauscht . . .! Jetzt hat er Geschmack gefunden an seinem neuen Job, der Herr Pastor Eppelmann, und nun will man ihm sein schönes Spielzeug schon bald wieder wegnehmen. So schnell wollte er ja nun auch wieder nicht abrüsten, der Herr Abrüstungsminister. Und was ist, wenn er gar noch mal verteidigen müßte mit seiner Armee, er ist ja auch noch Verteidigungsminister (wen eigentlich gegen wen?). *UNTERSCHRIFT: Nesselwang (Bayern) ADOLF SCHUSTER

Es ist doch ungeheuerlich, was ein ehemaliger Wehrdienstverweigerer und Pazifist hier von sich gibt! Wenn sich in der DDR seit Oktober/November 1989 viele bestimmte Personen in ihren Ansichten unwahrscheinlich flink wendeten, so gehört ein Herr Eppelmann auf alle Fälle dazu. Es gibt nur eins: Die NVA muß so schnell wie möglich weg, weil sie ein Überbleibsel des SED-Staates ist und damit ihre Daseinsberechtigung schon lange verloren hat. *UNTERSCHRIFT: Querfurt (DDR) KLAUS-PETER BERK

Sehr geehrter Herr Verteidigungsminister Pfarrer Eppelmann, als Herr Pfarrer - Priester auf ewiglich; Hebr. 5,6 - führen Sie die NVA der (Noch-) DDR! Damit machen Sie sich zum potentiellen Ausschalter des Lebens; für mich gleichgültig, aus welchen Motivgründen heraus Sie Ihren sogenannten dritten Beruf - Maurer, Pfarrer, Minister - ausüben. Wird Ihnen bei Ihrer Suche nach Glücks- und Sinnerfahrung bewußt, daß Sie im Kriegsfall zigtausend von Soldaten und Zivilisten den Tod bescheren? Aber - Gott sei Dank! - nur in dieser Friedenszeit, wo der Krieg zu Ende ist, konnte »man« auf die Verwirklichung einer solch dummen Idee kommen, Ihnen, als Nachfolger Christi, Panzer, Bomben, Maschinenpistolen und so weiter auf den Altar zu stellen, damit Sie mit diesen Gaben den »Herrn« verherrlichen! *UNTERSCHRIFT: Würzburg HARALD TOTZKE Theologie-Student
*BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:

Sogar notwendig *EINLEITUNG: (Nr. 29/1990, Drogen: Warum die Polizei machtlos ist) *

Mit der Schilderung des Falls eines 15jährigen Münchner Gymnasiasten, den die Polizei zum Drogenhandel verführt haben soll, sollen die angeblich skrupellosen Tricks der Polizei beispielhaft dargelegt werden. Nur - der Fall hat sich anders zugetragen. Der junge Mann wurde wegen eines Rauschgiftgeschäfts festgenommen. Daran schloß sich eine Wohnungsdurchsuchung an, bei der sich herausstellte, daß der Schüler noch im Besitz weiterer Drogen war. Eine Anwerbung als V-Person erfolgte nicht. Eine solche wäre nach gemeinsamen Vorschriften des bayerischen Innen- und des bayerischen Justizministeriums bei einem Jugendlichen auch nicht zulässig gewesen. Zulässig und sogar notwendig ist jedoch die Vernehmung eines Jugendlichen als Beschuldigter oder Zeuge über Hintermänner konkreter Rauschgiftstraftaten, gegebenenfalls auch unter Hinweis auf die sogenannte kleine Kronzeugenregelung im Betäubungsmittelrecht. Das strafprozessuale Legalitätsprinzip verpflichtet jeden Polizeibeamten zu solchen Recherchen. *UNTERSCHRIFT: München KARL MICHAEL SCHEUFELE Pressereferat im Bayerischen Staatsministerium des Innern
*BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:

Negative Sogwirkung *EINLEITUNG: (Nr. 29/1990, Gesellschaft: Hohe Steigerungsrate bei Selbstmordversuchen Jugendlicher) *

Mit Interesse haben wir Ihren Artikel über Kinder- und Jugendsuizid gelesen und waren von der differenzierten und kritischen Darstellung dieses schwierigen Themas angetan. Im Gegensatz dazu müssen wir die Auswahl der großformatigen, reißerischen Fotos aufs schärfste kritisieren. Der positive Ansatz des Artikels, Kinder- und Jugendsuizid zu enttabuisieren und ihm damit entgegenzuwirken, wird mit der Unterlegung dieser Fotos, von denen eine Sogwirkung ausgehen kann, geradezu umgekehrt.

Die deutschsprachige und internationale Forschung zur Darstellung des Themas Suizid in den Massenmedien belegt mehrfach und eindeutig den Trend, daß emotional reißerische Aufbereitungen von Suizid die Tötungsziffern in der Folgezeit in die Höhe treiben. Dieses empirische Wissen findet seine Entsprechung in unserer Beratungspraxis, wenn kurz nach Ihrer Veröffentlichung Klienten zu uns kommen und sagen, daß sie nach der SPIEGEL-Lektüre wüßten, wie sie sich das Leben nehmen sollten. Hier war offensichtlich die Botschaft der Bilder eindringlicher als die Ihres Textes. *UNTERSCHRIFT: München TH. GIERNALCZYK, H. DOLL Die Arche - Selbstmordverhütung und Hilfe in Lebenskrisen e.V.
*BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:

Betroffen und beleidigt *EINLEITUNG: (Nr. 25/1990, US-Juden: SPIEGEL-Reporter Erich Wiedemann über den orthodoxen Brooklyner Rabbi Menachem Schneerson) *

Erstaunt und entsetzt habe ich Ihren Artikel über Rabbiner Menachem M. Schneerson gelesen. Der Lubawitscher Rebbe, heute die bedeutendste geistige Autorität des Judentums, ist auch über die Grenzen des jüdischen Volkes hinweg anerkannt als ein Symbol für Weisheit, Noblesse und Güte. Ich als Rabbiner wie auch eine große Mehrheit der Mitglieder der jüdischen Gemeinden im deutschsprachigen Raum haben uns betroffen und beleidigt gefühlt über diesen Beitrag. Rabbiner Schneersons Standpunkt bezüglich sicherer Grenzen für Israel, aus Sorge vor einer Wiederholung des Holocausts, was Gott verhüten möge, ist wahrlich kein Grund, ihn in falschem Licht darzustellen. *UNTERSCHRIFT: Wien Rabbiner J.I. BIEDERMANN
*BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:

Feuchte Augen *EINLEITUNG: (Nr. 30/1990, DDR: Warum riskierte de Maiziere den Bruch seiner Koalition) *

Daß der Ministerpräsident der DDR ein bemerkenswerter Solist auf der Bratsche ist, hat er unlängst eindrucksvoll bewiesen. Noch großartiger sind seine Leistungen jedoch auf einem bescheideneren Instrument, das ihm aus früheren Zeiten vertraut ist, der Blockflöte. Was er hier bei der Uraufführung der »Schicksalssinfonie in C(DU)-Moll für politisches Orchester und obligate Blockflöte op. 1« an solistischer Brillanz in der Volkskammer geboten hat, war schlechthin atemberaubend. Da wurden manchem PDS-Mann, vielleicht sogar dem Altvorderen dieser Vereinigung, Erich Honecker, die Augen feucht. Selbst gestandene CDU-Männer in Bonn konnten sich dieser Faszination nicht verschließen. Sie werden sicher den Nachfolge-SEDlern mit Wohlwollen über die kleinen Hürden helfen, die sich ihnen beim eventuellen ersten Einzug ins Wasserwerk in den Weg stellen könnten. Vivat musica! *UNTERSCHRIFT: Kehl (Bad.-Württ.) KURT GANSS

Bratschen-Premier de Maiziere, der sein Gewissen in seiner öffentlichen Beichte im Januar 1990 wohl ablegte, ließ mit den Stimmen der SED/PDS demokratische Parteien der Volkskammer niederstimmen. Die einzige Nicht-Block-Partei SPD versank in Lethargie. Dies geschah, als ein tölpelhafter Kanzler der BRD sich endlich um alle Deutschen verdient machte. *UNTERSCHRIFT: Hildesheim KARL BRÜBACH

Eine Teilauflage dieser SPIEGEL-Ausgabe enthält eine Beilage des SPIEGEL-Verlages, Hamburg.

Zur Ausgabe
Artikel 79 / 88
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel