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Briefe

Tote Hohenzollern-Metropole?
aus DER SPIEGEL 22/1976

Tote Hohenzollern-Metropole?

(Nr. 18/1976, Nationalstiftung)

Eine Nationalstiftung heute nach Berlin zu verlegen wäre politisch vom gesamtdeutschen Standpunkt aus gesehen ebenso unsinnig wie von internationalverkehrsgünstigen Bedingungen. Auch ist Berlin heute als tote Hohenzollern-Metropole nicht der Anziehungspunkt für andere deutschsprachige Gebiete. Österreich, Schweiz, Liechtenstein tendieren mehr nach Bayern. Auch der Prager Autorenkreis hat nur sporadisch nach Berlin tendiert! Den am Rand der Donaumonarchie geborenen Autoren deutscher Zunge war Berlin fremd! Ich glaube, daß München viel eher geeignet ist, eine einheitliche Nationalstiftung zu schaffen, die in dem gerade freiwerdenden Villen-Schlößchen des Dresdner Bankierssohns und Schriftstellers Carl Sternheim in München-Höllriegelskreuth untergebracht werden könnte. Um Berlin nicht ganz zu übergehen, kann man ja eine Expositur in Berlin schaffen, die sich um bildende Kunst und Architektur (Bauhaus!) zu sorgen hätte. Jedenfalls sollte man überflüssigem Ärger mit dem Osten und den Alliierten aus dem Wege gehen. Eine Nationalstiftung soll einigen, nicht Trümmer schaffen.

Fürstenfeldbruck (Bayern) DR. JUR. LEO BROD

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