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Tote Robben als Giftmüll

aus DER SPIEGEL 7/1989

Schleswig-Holsteins Umweltminister Berndt Heydemann wird erst jetzt die letzten toten Robben los, die im vergangenen Sommer an die Nordseestrände gespült worden waren. Die Tiere sind so sehr mit Quecksilber, Cadmium und hochgiftigem PCB vollgepumpt, daß man sie nicht einfach vergraben kann, sondern als Sondermüll entsorgen muß. Die chemische Analyse der Kadaver ergab, daß die Seehunde an einer Überdosis Nordsee starben - und nicht an einem geheimnisvollen Virus. Allerdings traf der Befund erst im November ein, als schon 5250 der 5700 in Schleswig-Holstein gefundenen Robbenleichen von der staatlichen Tierkörper-Beseitigung im nordfriesischen Norstedt zu Futtermitteln verarbeitet worden waren. Die restlichen 450 Kadaver mußten, so eine Weisung Heydemanns, auf Eis gelegt werden, bis sich ein Abnehmer fand. In Hamburg bekam Heydemann zunächst einen Korb: Die Filter der Müllverbrennungsanlage, so teilte ihm die Umweltbehörde der Hansestadt mit, reichten für derart hohe Schadstoffkonzentrationen nicht aus. Erst nach langem Feilschen waren die Hamburger bereit, den Kieler Kollegen das Robbenproblem abzunehmen. Bedingung: Die Kadaver müßten vorher entbeint und in 60-Liter-Behältern im Verhältnis 1:2 mit Sägespänen so vermischt werden, daß die bei der Verbrennung anfallenden Schadstoffemissionen sich in den zulässigen Grenzen halten. Das kostet Geld und Zeit. In Niedersachsen wurden bereits 1000 Kadaver zu Futtermitteln verarbeitet.

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