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Briefe

Tragen Madonnen auch links?
aus DER SPIEGEL 45/1976

Tragen Madonnen auch links?

(Nr. 43/1976, Biologie: Georg Wolff über Hoimar von Ditfurth »Der Geist fiel nicht vom Himmel": Mütter tragen deshalb »ihre Säuglinge auf dem linken Arm, da mit diese durch die mütterlichen Herztöne zum Leben ermuntert würden")

Herr Georg Wolff hat meines Erachtens nicht mit genügend Akribie und Kritik das »interessante Beispiel, daß Mütter ihre Säuglinge stets auf den linken Arm nehmen«, gewürdigt. Ich erlaube mir, kurz und lapidar die Frage in den Raum zu stellen:

* in welcher Hand Sie Ihre Tasche beim Öffnen eines Kraftfahrzeuges haften?

* Wurden auch Linkshänder in die Untersuchung einbezogen? Wurde überhaupt darauf geachtet? Darf ich die Fragen an Sie, Herrn Ditfurth, und die Fachwelt weitergeben?

Heilbronn WERNER HERKOMMER

Student der Bundeswehr

Wer sich mit Kunstgeschichte befaßt, weiß, daß Madonnen das Kind stets links tragen*. Die Künstler bestätigen so unbewußt die Feststellung von Professor von Ditfurth.

München OSKAR TREUN

Naheliegender ist doch wohl, daß die Überzahl der rechtshändigen Frauen komplexe feinmotorische Handlungen wie zum Beispiel das Darreichen von Nahrung mit der rechten Hand besser ausführen und dabei das Kind notgedrungenerweise auf den linken Arm nehmen. Bei linkshändigen Frauen verhält es sich umgekehrt. Sind nun etwa alle Säuglinge linkshändiger Mütter verdammt, dem Leben ohne Aufmunterungen entgegensehen zu müssen? Nicht unbedenklich erscheint es mir, wenn -- basierend auf solcherlei wissenschaftlich-teleologischen Exkursen -- mit der suggestiven Kraft des seriösen Wissenschaftlers nicht ganz unpolitische Folgerungen gezogen werden.

Göttingen DR. REINER BENECKE Neurologische Universitätsklinik

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