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GLÜCKSSPIEL Trickreiche Casinos

aus DER SPIEGEL 37/2006

Deutsche Spielbanken versuchen, die Forderungen des Bundesgerichtshofs (BGH) zum Schutz von Spielsüchtigen zu umgehen. Im vergangenen Dezember gab der BGH einem Spieler recht, dem problemlos Zutritt zum Automatensaal gewährt worden war, obwohl er sich bei den Casinos hatte sperren lassen. Den dort verlorenen, fünfstelligen Einsatz wollte er zurück. Offenkundig als Reaktion auf dieses Urteil erhalten Spieler, die sich sperren lassen möchten, von einigen Spielbanken nun modifizierte Sperrverträge. Diese sehen lediglich vor, dass Spieler etwa bei Gewinnauszahlungen an der Kasse kontrolliert werden. Dagegen verpflichtet sich die Spielbank nicht zu einer Einlasskontrolle beim Automatenspiel. Zudem wollen die Casinos eine Erstattung verspielter Beträge ausschließen: Nimmt ein Gast trotz Sperrvertrags am Spiel teil, hat er laut den neuen Klauseln »keinen Anspruch auf Rückzahlung von ihm getätigter Spieleinsätze«. Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des Fachverbands Glücksspielsucht, sieht in den neuen Sperrverträgen eine »Missachtung« des BGH-Urteils: »Die Spielbanken kommen so nicht ihrer Verpflichtung nach, die Spielsüchtigen zu schützen.« In Deutschland sind rund 30 000 Menschen für den Besuch von Spielbanken formal gesperrt.

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