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GEWERKSCHAFTEN »Trojanisches Pferd«

Jürgen Peters, 57, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, über das Gerangel der Gewerkschaften um die IT-Branche
aus DER SPIEGEL 12/2001

SPIEGEL: Herr Peters, die neue Dienstleistungsgewerkschaft Verdi möchte sich auch um die IT-Branche kümmern. Wem gehört die New Economy - Verdi oder den Industriegewerkschaften?

Peters: Jahrzehntelang haben sich die Branchenzuständigkeiten zwischen den Gewerkschaften nicht verändert, wohl aber die Wirklichkeiten in den Betrieben. Natürlich sind wir für die IT-Branche zuständig. Aber ich muss akzeptieren, dass in diesem Bereich auch Arbeitnehmer durch andere Gewerkschaften betreut werden. Das ist unser Problem: Wir kommen aus unterschiedlichen Richtungen und stehen plötzlich auf dem gleichen Spielfeld. Die Verdis wollen verständlicherweise die Bereiche, in die sie hineingewachsen sind, ausdehnen.

SPIEGEL: Die Gewerkschaften buhlen also um diesen Bereich?

Peters: Zwischen den Gewerkschaften, die sich in Verdi zusammengeschlossen haben, ist diese Konkurrenz durch die Fusion entkrampft. Aber zwischen Verdi und den anderen Gewerkschaften wird es weiterhin Überschneidungen geben, weil sich mehrere für dieselben Betriebe verantwortlich fühlen. Dann muss man versuchen, sich zu einigen. Gelingt dies nicht, wird der Streit im DGB geschlichtet.

SPIEGEL: Es gibt doch eine Grundsatzvereinbarung. Danach ist Verdi für die Telekommunikation zuständig und die IG Metall für den IT-Bereich.

Peters: Das ist das Grundprinzip. Doch es gibt natürlich auch Ausnahmen. Aber ich möchte auf keinen Fall, dass diese zur Einflugschneise werden. Es hat den Anschein, dass einige der Versuchung unterliegen könnten, diese Fusion als Trojanisches Pferd zu nutzen, um den eigenen Einflussbereich auszuweiten. Und da sagen wir: So nicht, Freunde. Denn in unserem gemeinsamen Papier steht, es kann nur beansprucht werden, was die DGB-Gewerkschaften in Verdi bereits in ihren Satzungen stehen hatten.

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