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Briefe

Trudchen ist platt
aus DER SPIEGEL 20/1950

Trudchen ist platt

Liebe SPIEGEL-Redaktion,
Ich wollt' mich melden lange schon,
doch ließ ich Sie noch eine Weile sprechen von Raub und sonst'gen Kapitalverbrechen.

Was Sie da bringen? Ja, da bin ich platt, wer wohl vom »Alex« so geplaudert hat? Mit den Ganoven quälten wir uns ab so manche Nacht,
Ergebnis: Wir hab'n sie zu Fall gebracht.

Die schwere Arbeit war meist von Erfolg gekrönt,
und das hat uns das Leben oft verschönt.

Mich hat man - doch ich bin Ihn'n gut gewogen -
in Berlin sagt man: »Durch den Kakao gezogen«.

Doch schließlich muß man ja, das darf man nicht vergessen,
bei Schwerstarbeit natürlich auch - was essen.

So steckt auch heute noch in meiner Hülle,
ich sag' es ehrlich: »ne ganze schöne Fülle.

Doch nur kein Neid, wer hat, der hat,
ich ess' auch heut' an mancher Bockwurst mich noch satt.

Die Dicken, das steht fest, sind meist gemütlich,
sind guter Laune und auch oft recht friedlich.

Und schließlich bin ich außerdem noch »Wassermann«,
so daß ich - mein' ich - darauf Stolz sein kann.

Es grüßt Sie hiermit herzlich - mir kann keiner -
Ihr Berliner Bockwurst-Trudchen Steiner.

Herford

GERTRUDE STEINER

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