Terrorismus Türkei schiebt zwei deutsche IS-Anhängerinnen ab

Trotz der Coronakrise schiebt die Türkei erneut zwei deutsche Sympathisantinnen der Terrorgruppe IS ab. Mit den beiden jungen Frauen kommen auch vier Kleinkinder, die im Krisengebiet auf die Welt gekommen waren.
Frauen im Gefangenenlager al-Hol

Frauen im Gefangenenlager al-Hol

Foto: DELIL SOULEIMAN/ AFP

Die Türkei schiebt zwei weitere deutsche Anhängerinnen der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) in ihre Heimat ab. Nach SPIEGEL-Informationen kündigte die Türkei den deutschen Behörden für den späten Donnerstagnachmittag die Ankunft von zwei Frauen aus Berlin und Hamburg an. Beide waren in den vergangenen Jahren ins Krisengebiet nach Syrien gezogen und hatten sich dort mutmaßlich der Terrorgruppe IS angeschlossen.

Beide Frauen werden mit ihren insgesamt vier Kindern auf dem Flughafen in Frankfurt landen. Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich bei den IS-Sympathisantinnen um die 33-jährige Zeynep G. aus Berlin und die 23-jährige Daniela G. aus Hamburg. Beide haben ihre Kinder, die allesamt im Krisengebiet geboren wurden, bei sich.

Freundin nachgeholt

Zeynep G. reiste nach SPIEGEL-Informationen im Herbst 2014 ins damalige Herrschaftsgebiet des IS und heiratete dort einen tschetschenischen Kämpfer. Während sich ihr Mann an der Front verdingte, kümmerte sie sich um den Haushalt. Wenige Monate später soll sie dann eine Freundin dazu aufgefordert haben, ebenfalls in das Gebiet der Terrormiliz in Syrien zu reisen.

Wenig später starb G.s Mann und die junge Frau zog in ein Frauenhaus des IS, bis sie einen IS-Kämpfer aus Deutschland heiratete. Die beiden bekamen im Jahr 2016 ein Kind. Auch der zweite Ehemann starb bei Kampfhandlungen. Anfang 2019 wurde G. dann von kurdischen Kräften festgesetzt und in das Gefangenenlager al-Hol gebracht. Von dort floh sie in die Türkei, wo sie festgenommen wurde und in Abschiebehaft genommen wurde.

Die junge Frau ist von den deutschen Behörden als islamistische Gefährderin eingestuft. Sie wird direkt am Flughafen Frankfurt festgenommen, da gegen sie ein Haftbefehl wegen des Verdachts der Mitgliedschaft oder Unterstützung des IS vorliegt. Der Generalbundesanwalt ermittelt. Ihr dreijähriger Junge soll zunächst in eine Pflegefamilie kommen.

Gegen die zweite Frau haben die Ermittler dem Vernehmen nach noch keine handfesten Beweise. Zwar wissen die Fahnder, dass sich die 23-jährige Daniela G. aus Hamburg schon vor Jahren nach Syrien absetzte, dort einen IS-Kämpfer heiratete und seit 2015 im Abstand von jeweils zwei Jahren drei Jungen zur Welt brachte.

Ob die junge Deutsche den IS allerdings auch tatkräftig unterstützte, ist bisher unklar. Die Hamburger Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen sie, wie die Behörde auf Anfrage bestätigte. Oft tun sich die Ermittler in ähnlichen Fällen allerdings schwer, gegen die ausgereisten Frauen genug Beweise für einen Haftbefehl oder gar ein Urteil zu finden.

Die beiden Frauen gehören zu einer ganzen Heerschar von jungen IS-Sympathisantinnen, die nach dem Zerfall des vom IS beherrschten Gebiets in Nordsyrien zunächst in dem riesigen Gefangenenlager al-Hol festgehalten wurden. Die beiden Deutschen konnten aber offenbar aus dem Lager fliehen und sich in die Türkei durchschlagen.

Dort wurden sie von türkischen Sicherheitskräften festgenommen. Ihre Familien hatten zuvor versucht, die Bundesregierung durch ein Berliner Gericht zu zwingen, die beiden und ihre Kinder zurückzuholen.

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