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KOREA / INTERNATIONALES Türken-Blut

aus DER SPIEGEL 51/1950

Brigadegeneral Tahsin Yazici, Kommandeur der Türken in Korea, hat das Fiasko seiner Brigade nicht überlebt, er hat sich selbst erschossen, meldete der Moskauer Rundfunk letzte Woche. Zur gleichen Zeit begegnete ein Reuter-Korrespondent dem türkischen General in den Straßen Söuls. »Meine ganze Brigade, einschließlich der Verwundeten, brennt darauf, wieder an die Front zu kommen«, rief ihm Tahsin Yazici zu.

In Istanbul gedachten 10000 Jung-Türken der Korea-Gefallenen. »Wir wissen, wofür wir kämpfen«, trugen Studenten auf Plakaten durch die Stadt. Das Sowjet-Generalkonsulat mußte von der Polizei vor den Demonstranten geschützt werden.

»Die Geschichte der türkischen Brigade ging wie ein Lauffeuer die ganze Koreafront hinunter«, berichtet ein Korrespondent des amerikanischen Nachrichten-Magazins »Time«. Bei Kaechon waren die 5000 Türken in eine Lücke geworfen worden, die fliehende Südkoreaner in die Front gerissen hatten. Die rotchinesischen Soldaten sahen sich plötzlich »dunkelbraunen martialisch beschnurrbarten Türken« gegenüber, die sich mit »wildem Geschrei« und aufgepflanztem Seitengewehr auf sie stürzten. Ueber 200 Chinesen fielen im Nahkampf. Am Wochenende hatte die türkische Brigade selbst rund 500 Mann (10 Prozent) Ausfälle. »Ein Türke meldet sich anscheinend erst zum Verbandsplatz, wenn er mindestens drei Wunden hat«, erzählt ein amerikanischer Truppenarzt.

»Nach 48 Stunden erbitterten Abwehrkampfes gegen die anstürmenden Rotchinesen«, schildert der »Time«-Korrespondent die Türkenschlacht bei Kaechon, »ging den Soldaten Tahsin Yazicis die Nahrung und die Munition aus. Da griffen sie mit aufgepflanztem Bajonett an, kämpften mit Messern und Fäusten und warfen Steine auf die endlosen Wellen anstürmender Chinesen. Als schließlich amerikanische Panzer vorfuhren, um den abgekämpften türkischen Einheiten einen Rückzugsweg zu bahnen, waren die Türken schon wieder im Angriff. Auf den Befehl, zurückzugehen, da seine Truppe von den Chinesen eingeschlossen würde, entrüstete sich der türkische Befehlshaber: 'Zurückgehen? Warum zurückgehen? Wir bringen sie massenweise um.'

»Als sie sich schließlich den Rückzugsweg freigekämpft hatten, marschierten die Türken 50 Meilen weit in Richtung Pjöngjang. Ihre Verwundeten trugen sie auf dem Rücken. Kopfschüttelnd wiesen sie in die Marschrichtung und wiederholten ständig, wie entschuldigend 'Auf Befehl des Generals ..., auf Befehl des Generals ...'«

Die Vereinigten Staaten haben mehr als 200 Millionen Dollar für die türkische Militärhilfe ausgegeben, bemerkt der »Time«-Korrespondent am Schluß seines Berichts. »Sie haben das in der Annahme getan, daß die Türken gute Soldaten sind, die ihr Land verteidigen würden, wenn der russische Nachbar es angreift. Die Türken in Korea haben diese Annahme bestätigt.«

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