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Briefe

TUGEND UND MORAL
aus DER SPIEGEL 44/1970

TUGEND UND MORAL

(Nr. 43/1970, Presse)

Es war wirklich ein Schönheitsfehler am 13. Oktober 1970, daß Porno-Referatsleiter Dr. A. Klöckner fehlte. Gerade Ihm, der schon als Staatsanwalt in Hamburg als Sittenwächter und Erbpächter an Tugend und Moral allen das Leben sauer machte, hätte der Nachhilfeunterricht der Wissenschaftler gutgetan. Ein Schönheitsfehler war es auch, daß der SPIEGEL die von mir vertretenen Verleger, H. P. Feussner und Klaus Tietje, und Ihre Blätter, St. Pauli Express und St. Pauli Illustrierte, aus dem St. Paulil Anzeiger Verlag zu erwähnen vergaß. Dabei ist es gerade unser Kampf gegen die einzige Dauerindizierung (am 15. Juni 1970), die des St. Pauli Anzeiger nämlich, gewesen, die die breite Front der Wissenschaftler mobilgemacht hat. Der jetzige Erfolg kann aber die durch Indizierung, Beschlagnahmen und Händlerverunsicherung angerichteten Schäden nur zum Teil wieder wettmachen. Das Urteil der Wissenschaft zeigt aber, wie bedenklich Gesetze sind, die es Bundesprüfern, Staatsanwälten und Polizisten erlauben, ihre eigene Moralauffassung zum Inhalt dieser Gesetze zu machen und daraus für Presseunternehmen zensurähnliche Schritte abzuleiten.

Hamburg H. F. ARNING Rechtsanwalt

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