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TV-Rückblick

aus DER SPIEGEL 22/2007

In aller Freundschaft

22. Mai, ARD

Serien und Schuster unterliegen dem gleichen Gebot: Du sollst bei deinem Leisten bleiben. Vergangenen Dienstag in der wöchentlichen Krankenhaus-Soap »In aller Freundschaft« war allerdings der perfekte Leistenbruch zu besichtigen. Wie Professor, Kollegen und die liebe Familie um das Leben des leukämiekranken Chefarztes Heilmann (Thomas Rühmann) kämpften, das war solides Leipziger-Soap-Allerlei. Dann muss irgendjemand eine Idee gehabt haben: Wie wär's mit einem Weißkittelausflug auf den Schwarzen Kontinent? Also wurde in einem zweiten Handlungsstrang die fernwehtaugliche Chirurgin Eichhorn (Cheryl Shepard) nach Afrika geschickt, um dort ihrem ehemaligen Doktorvater (Pierre Brice), einem wie Albert Schweitzer in Afrika praktizierenden Arzt, die Aufwartung zu machen. Leider konnte man sehen, dass Dramaturgie, Dialog und Darstellungskraft für die Exkursion nicht ausreichten. Die alte Winnetou-Rothaut Brice holte noch einmal den Charmeur heraus und suchte Frau Eichhorn mit den Trockenfrüchten papierner Dialogarbeit zu bezirzen: »Isch ätte disch nie gähn lassen dürfen.« Wie wahr, hatte sich doch gerade erst die Doktorin als profunde Afrika-Kennerin mit dem Satz empfohlen: »Die Farbenvielfalt hier (in Afrika) ist einfach überwältigend.« Und, es musste auch mal gesagt werden: »Hier riecht es ganz anders als in Deutschland.« Worauf Brice erwiderte: »Das ist nisch der einzige Unterschied.« Da sollte eigentlich ein Schuster auftreten und den Leisten zurückverlangen.

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