Zur Ausgabe
Artikel 95 / 115

TV-Rückblick

aus DER SPIEGEL 4/2004

Die Katzenbande

14. Januar, NDR

Die Tierfilme der BBC gehören zum Besten, was Fernsehanstalten weltweit zu bieten haben: Das bewiesen am Mittwoch vergangener Woche mal wieder die Autoren Barrie Britton, Mark Chandler, Don Freeman und Nick Fletcher. Ihr 45-minütiger Beitrag über Katzen war ein Musterbeispiel für elegantes Infotainment. Rund 4000 Jahre ist es her, dass sich die ägyptische Falbkatze menschlichen Behausungen näherte. Die Menschen hatten begonnen, Getreidevorräte anzulegen, zur Freude von Ratten und Mäusen. Da kamen die Schleichjäger aus der Wüste gerade recht, und Mensch und Katze gründeten eine Zweckgemeinschaft, die bis heute hält. Wie alle dauerhaften Bündnisse, so legte der Film voller leiser Ironie dar, beruht die Freundschaft zwischen Zweibeiner und Samtpfote auf lauter Missverständnissen: Die im Haus aufwachsende Katze hält den Bewohner für einen tierischen Verwandten und übersieht dessen Aggressionen. Umgekehrt kann sich der Mensch nicht vorstellen, was sein Zimmertiger so anstellt, wenn er des Nachts durch Flur und Garten streicht, ein unverbesserlicher Jäger und Sexbesessener. Geistvoll-witziges Glanzstück des BBC-Essays war der unpathetische Lobpreis der anatomischen Vollkommenheit des Miezentums. Katzen, so wurde gezeigt, sind ein Wunderwerk aus Knochen, Sehnen und Sinnesorganen.

Zur Ausgabe
Artikel 95 / 115
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.