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TV-Rückblick

aus DER SPIEGEL 4/2007

Neidhammel - Die deutsche Neidkultur

17. Januar, ARD

Die Autoren Tilo Knops und Kirsten Waschkau versuchten in ihrem Beitrag eine Art Quadratur des Kreises. Einerseits wollten sie bloß nicht zu ernsthaft erscheinen und keine scharfkantigen Thesen aufstellen, andererseits erstrebten sie Tiefgang und Welterklärung. Kurz: Sie wollten einfach alles, und das war zu viel. Heraus kam, was Hegel schlechte Unendlichkeit nennt, ein Sammelsurium ohne roten Faden. Wir erfuhren: In Isny gibt es potente, aber auch äußerst merkwürdige Baulöwen, die der Kommune beim Projekt einer Realschule nur helfen, wenn mit Kunst am Bau gegen die Todsünde Neid demonstriert wird. Bentley-Erwerber fühlen sich in England neidgeschützter als in Deutschland. Einer hiesigen Schriftstellerin samt Familie, wohnhaft in neidgelbem Haus, geht es besser, seit sie ihren Neid verarbeitet hat und sich ihr Buch über das Thema gut verkauft. In der Tierwelt gibt es Neid, wenn ein Viech mehr Futter kriegt als ein anderes. Ein Soziologieprofessor findet Neid nicht so schlecht, weil er die Kooperation zwischen Stärkeren und Schwächeren beförderte. Nicht nur die Deutschen, auch die Amis sind neidischer, als man denkt. Allerdings kann niemand genau feststellen, ob das Gefühl Neid real zunimmt oder bloß die Diskussionen über die Seelenplage. In Isny gibt es jetzt eine Schülergruppe, die das Thema besingt. Als der Film nach einer Dreiviertelstunde zu Ende ging, war man neidisch auf die, die schon schliefen.

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