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TV-Rückblick

aus DER SPIEGEL 5/2002

Im Glashaus -

das philosophische Quartett

20. Januar, ZDF

Am Ende war die Welt wieder in Ordnung, wenigstens für den Theologen: Da erklärte Friedrich Schorlemmer kurz, dass einzig Gott Zuversicht gibt, uns durch die Fährnisse des Lebens führend und mitten durch die Angst. Gastgeber Rüdiger Safranski kaute schwer unzufrieden auf der Unterlippe und konterte im Abspann noch mit dem protestantischen Verzweiflungsdenker Kierkegaard, aber das Unglück war schon geschehen: Im »Glashaus« der Freidenker Sloterdijk und Safranski war es sehr gemütlich geworden.

Über Angst wollten die Herren reden und dabei »philosophisch auf die Wirklichkeit blicken«. Doch nach einem kurzen Gipfeltreffen mit Heidegger und Cassirer war man schnell wieder in der Wärmestube des Geistes, beim allgemeinen Parlieren und beim konkreten Unbehagen: an der üblen Medienwelt, der Arbeitslosigkeit, der Angst des kleinen Mannes vor der großen Freiheit. Peter Sloterdijk, Professor in Karlsruhe, brillierte mit rhetorischen Pointen, aber auch ihm war es nicht gegeben, in das zerfahrene Gespräch Struktur zu bringen. Einzig der zweite Gast, Bergsteiger Reinhold Messner, blieb stur bei seinem Leisten ("Ich bin kein Philosoph - ich habe mir meine Gedankenwelt mit den Muskeln geholt") und widerstand der traurigen Versuchung, hier und da noch ein paar Punkte zu holen mit Fertigformulierungen, als ginge es ums Abitur. So ließ die neue Renommiersendung des ZDF vor allem eine Tugend vermissen, ohne die's beim Philosophieren nicht geht: Geistesgegenwart.

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