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TV-Rückblick

aus DER SPIEGEL 19/2007

Joachim Bublath: Das fremde Ich

2. Mai, ZDF

Wissenschaftsreihen wie diese von Joachim Bublath haben die tiefen Teller nicht erfunden. Und es ist ihnen deswegen kein Vorwurf zu machen. Die Sendezeit ist beschränkt. Vergangenen Mittwoch übersetzten Moderator Bublath und sein Team ein paar Grundweisheiten des Lebens in das Vokabular der Hirnphysiologie. Dazu glitt die Kamera unentwegt durch ein spinnenwebartiges Geflecht, Hirnzentren leuchteten auf, Körnchen flossen von einem Nerv in den nächsten, Symbol für Denken und Fühlen. Einmal torkelte ein skelettartiges Menschenmodell über den Schirm. Alkohol beeinträchtigt das Gleichgewichtsorgan, sollte das demonstrieren. Der ganze optische Zauber, dazu noch die Rede von »Spiegelneuronen« und die Beschreibung des Ich als Hirnkonstruktion, förderten Erkenntnisse zutage, die dem gemeinen Verstand auch ohne neuronales Vokabular bekannt sind: Wenn wir zufrieden sind, stimmen Selbstbild und Fremdbild überein. Der Mensch ist kein Autist, sondern sucht stets die Brücke zu anderen. Die Pubertät und die mit ihr verbundenen Krisen gehen einher mit neuronalen Veränderungen im Kopf, das Vorderhirn ist dann eine einzige Baustelle, normalisiert sich aber später wieder. Depression hat mit Hirnstoffwechsel zu tun. Alle neuronalen Prozesse lassen sich durch Umwelt und Erziehung beeinflussen. Jetzt hätte es spannend werden können: Gibt es innere Freiheit, oder ist alles letztendlich von der Natur programmiert? Da aber war die Sendezeit schon vorbei.

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