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TV-Rückblick

aus DER SPIEGEL 2/2003

Neujahrskonzert 2003

1. Januar, ZDF

20 Jahre lang hatte das musikalische TV-Ritual einen Namen: Willi Boskovsky. Doch dann, 1979, legte der Konzertmeister der Wiener Philharmoniker den Geigenbogen, mit dem er seine Kollegen immer zu Neujahr und unter Anteilnahme fast aller fernsehenden Völkerstämme dirigierte, aus der Hand. Seitdem haben sich die Wiener für ihre Walzer-Sause wechselnde Maestri eingeladen. In diesem Jahr zum zweiten Mal ihren Landsmann Nikolaus Harnoncourt. Einst als Spezialist für Alte Musik und historische Aufführungspraxis ebenso gelobt wie gefürchtet, hat sich Harnoncourt längst als Generalist durchgesetzt. Seine mit Geschmack und Delikatesse dirigierte Auswahl vermischte das Wiener Allerlei von Johann Strauß (Vater und Sohn) mit Carl Maria von Weber und sogar Ungarischem vom norddeutschen Schwerblüter Johannes Brahms. Aber egal, wer wie was dirigiert - das Ritual ist unverändert: Bevor am Ende die Klassiker »An der schönen blauen Donau« und der »Radetzky-Marsch« die Stimmung eskalieren lassen, sorgen neckische Ballett-Einspielungen und Kutschfahrten durch den Park von Schloss Schönbrunn bei TV-Zuschauern für leicht bekömmliches Augenfutter. Ganz so, als hätte nicht der ORF, sondern der MDR die Regler in der Hand. Das Neujahrskonzert aus Wien ist halt wie die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers: unvermeidlich, vorhersehbar, mit mehr oder weniger häufig wechselnden Protagonisten - es macht aber bessere Laune.

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