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Fernsehen TV-Rückblick

aus DER SPIEGEL 8/2009

Da wackelt der Dom

10. Februar, ZDF

Der Zweck heiligt die Mittel, der gute Zweck im Fernsehen die Mittelmäßigkeit. »Aktion Sorgenkind«-Geldbriefträger Walter Spahrbier, »Der große Preis«-Moderator Wim Thoelke, »Fernsehlotterie«-Gesicht Frank Elstner bezeugen: Gute Taten und dröge Sendungen gehören zusammen. Vergangenen Dienstag, zur besten Sendezeit, hatten die Mainzelmänner mal wieder dieses Konzept Gemeinsinn durch Trübsinn erprobt. Zum dritten Mal blockierten sie über zwei Stunden lang den öffentlich-rechtlichen Bildschirm mit einer »Open-Air-Benefiz-Fastnachtssitzung«. Eine Art Jahrmarktsbude voller Narren stand vor dem Mainzer Dom. Man sammelte mal wieder für dessen Sanierung. Kardinal Lehmann erschien mit Fan-Schal auf der Bühne, freundlich, volksnah, und sprach zum guten Schluss eine mainzigartige Wahrheit aus: dass Mainz Mainz bleibe. Keine Kritik, nirgends. Einem verdutzten Jung-Funkenmariechen wurde ein Modell des Doms überreicht, das als Sparbüchse zu benutzen ist und das man für weniger als 20 Euro bei der Mainzer Volksbank bekommt. Danach schritt ein beleibter Herr zur Bütt, als Ministrant verkleidet, und reimte Texte so einfältig, dass es schien, der brüchige Dom würde ganz von allein wieder versteinern. Fassenacht? Fadnacht? Worüber haben die 3,65 Millionen Zuschauer an diesem Abend bloß gelacht? Über den ZDF-Intendanten Markus Schächter, dem man bei der schwierigen Übung, wie friere ich und lache trotzdem, zusehen konnte?

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